Saarlouis

Durch Saarlouis ist der Reisehase an Weihnachten 2017 schon mal flaniert, aber jetzt, im Frühjahr, wirkt die Stadt doch nochmal ganz anders. Überhaupt ist Saarlouis hübsch genug für mehr als einen Blogbeitrag. Und nicht zuletzt hat das Pubquiz, das ich vor kurzem organisiert habe, eklatante Lücken im Bereich der saarländischen Kultur und Geschichte offenbart (schämt Euch, Jungs!), so daß ich der Stadt jetzt einfach nochmal zwei Beiträge widme.

Wie im vorangegangenen Beitrag zu Wallerfangen schon erwähnt, wurde Saarlouis durch den französischen König Ludwig XIV. gegründet. 1680 begann der Bau der Stadt, die als Grenzfestung diente und vom königlichen Baumeister Sébastien de Vauban geplant wurde. Der setzte die sternförmige Festung mit ihren Bastionen, Ravelins, Kasematten, Démi-Lunes, Wällen, Mauern und Gräben in die sumpfige Landschaft an der Saar. Der Fluß bildete nämlich hier seit 1679 die Ostgrenze Frankreichs. Ein zwölf Meter breites Relief am Rathaus erzählt die Geschichte der Stadt.

1697, ein paar durch Ludwig XIV. ausgelöste Kriege und Feldzüge später (z.B. der Pfälzische Erbfolgekrieg), verlief die Grenze schon wieder woanders. Saarlouis aber blieb französisch (bis 1815) und behielt daher seine strategische Bedeutung bei. Die eigentlichen Wallanlagen wurden im späten 19. Jahrhundert geschleift, aber im Bereich des Saaraltarms haben sich noch Teile der Festungsmauern erhalten. Blick über den Saaraltarm zur Bastion VI:

Links sieht man übrigens “mein” Gymnasium, das Gymnasium am Stadtgarten, das bereits 1691, also kurz nach der Entstehung der Stadt, gegründet wurde, und zwar als Collège des Augustins. Auch das Augustinerkloster stand vorher in Wallerfangen und wurde nach Saarlouis überführt. Schon früh gab es an der Schule eine humanistische Ausrichtung, die man bis heute beibehalten hat.

Der Chronistenpflicht zuliebe: Es gibt noch zwei weitere Gymnasien in Saarlouis. Aber die haben lange nicht die Tradition, boten keine Leistungskurse Alt-Griechisch, und die Besten sind natürlich sowieso immer schon aufs SGS gegangen! :o) Der Elite-Hase sendet Grüße an MPG und RSG.

Ἄνδρα μοι ἔννεπε, Μοῦσα, πολύτροπον, ὃς μάλα πολλὰ… (und beim lauten Vorsprechen immer den Hexameter einhalten, biddeschön) 🙂

Die heutigen (1958-60 errichteten) Gymnasiumsgebäude stehen im Bereich des ehemaligen Hornwerks der Festung, einem am anderen Saarufer gelegenen, der eigentlichen Festung vorgelagerten Bastion. Als Schüler waren wir also immer mittendrin in der Stadtgeschichte (und in kalten Wintern auch gerne mal vor der ersten Schulstunde auf dem zugefrorenen Saaraltarm… aber pssst!! 😉 ). Schräg gegenüber wurde vor ein paar Jahren das Ravelin V rekonstruiert, ebenfalls ein Teil der Festung.

Auf der Contregarde Vauban steht seit den Befreiungskriegen standhaft der Soldat Lacroix, der beim Abzug der Franzosen 1815 der Legende nach in der Garnison vergessen wurde und von den Preußen den eigenen Truppen hinterhergeschickt wurde. Dem erweist auch der Reisehase gerne seine Reverenz.

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