Sankt Wendel

Die Kreisstadt im nördlichen Saarland ist nach dem Heiligen Wendalinus benannt, der hier bestattet worden ist (sein Grab befindet sich in der Wendalinusbasilika).

Oder besser formuliert: Bestattet worden sein soll, denn die historische Faktenlage ist ziemlich dünn. Es soll ein aus dem irisch-schottischen Raum stammender Missionar gewesen sein, der im 7. Jahrhundert lebte und angeblich auch das nahegelegene Kloster Tholey gegründet haben soll. Er soll außerdem ein Bruder der ebenfalls im Saarland verehrten Oranna gewesen sein. Viel “soll” also, und viel “angeblich”.

Der Name Sankt Wendel hat es übrigens auch auf die Landkarten des amerikanischen Kontinentes geschafft, denn Auswanderer in die Neue Welt gründeten im 19. Jahrhundert im Süden Brasiliens den Ort São Vendelino.

Also: Kurzer Rundgang durch das saarländische São Vendelino. Im Zentrum der Stadt steht die Wendalinusbasilika, einer der bedeutendsten gotischen Kirchenbauten im Saarland. Der Westturm ist 69 Meter hoch und wird von zwei Seitentürmchen begleitet, die sich so niedlich an den Hauptturm mit seiner Welschen Haube ankuscheln, daß ich nicht genau weiß, ob das Absicht ist oder ob sich doch bloß die Holzkonstruktion verzogen hat.

Die Basilika steht mitten auf dem Fruchtmarkt, dem Zentrum der Stadt mit dem Alten Rathaus und einer Zeile schöner Bürgerhäuser.

Ein paar Schritte weiter steht am Schloßplatz das heutige Rathaus. Es ist das ehemalige kurtrierische Amtshaus, das im 19. Jahrhundert zum Schloß umgewidmet wurde, als St. Wendel zum Fürstentum Lichtenberg gehörte, das wiederum zu Sachsen-Coburg gehörte (und 1834 an Preußen weitergereicht wurde). Sankt Wendel jedenfalls wurde fürstliche Residenz und Sommersitz der Herzöge.

Einige Jahre lebte hier zum Beispiel Herzogin Luise von Sachsen-Coburg. Sie war die Mutter von Prinz Albert von Sachsen-Coburg-Gotha, der 1840 seine Cousine Victoria heiratete. Die kennt man: Sie war seit 1837 Königin von England, und Albert ist derjenige, nach dem z.B. die Royal Albert Hall benannt ist. Geboren ist Albert aber nicht hier, sondern in der Nähe von Coburg. Aber ehe ich mich jetzt wie ein ZDF-Adelsexperte anhöre, noch schnell ein Blick auf das sächsisch-coburgische Wappen an der Rathausfassade, und dann weiter.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*