Clervaux und Luxemburgs Norden

Luxemburg ist ziemlich genau so groß wie das Saarland; die Umrechnung in Eisberge oder Fußballfelder fällt also hier besonders leicht. Eine weitere Ähnlichkeit mit dem Saarland: Während der Süden des Landes stark industriell geprägt ist, ist der Norden sehr ländlich. Spätestens hinter Ettelbrück und Diekirch gibt es nur noch wenige kleine Städtchen und Dörfer. Das Land ist manchmal eine nur leicht hügelige Hochebene, 

…manchmal auch bergig, vor allem durch die tief eingeschnittenen Flußtäler wie das der Sauer (Sûre), der Our oder der Wiltz.

Clervaux liegt in Tal des Flusses Clerve. Von hier stammt nicht der Gründer des Zisterzienserordens, denn der heißt ja Bernhard von Clairvaux – und kam im übrigen trotzdem aus Fontaine-lès-Dijon. Clervaux also, mit e. Oder Clerf auf Deutsch.

Hier steht das Schloß Clervaux, innen mit einer Ausstellung des berühmten Luxemburger Photographen Édouard Steichen, und außen gut bewacht von einem amerikanischen Panzer.

Troisvierges heißt auf deutsch Ufflingen, was also keine wörtliche Übersetzung ist, nicht mal im tiefsten Moselfränkisch nach ein paar Lautverschiebungen. Der Ort hat eine schöne Barockkirche mit großem Lettner. 

Hier kann man dann auch die namensgebenden drei Jungfrauen finden, die sich als Fides, Caritas und Spes entpuppen (Glaube, Liebe, Hoffnung) und Ziel einer Wallfahrt waren.

Vor dem Rathaus sitzen dann nochmal drei (etwas modernere) Jungfrauen.

Etwas weiter liegt Hachiville, ebenfalls mit schöner Kirche.

Im Innenraum trifft man auf eine Luzia, der es offensichtlich nicht gerade gutgeht. Konsequenterweise ist Luzia dann auch im katholischen Heiligen-Kanon unter anderem für Halsschmerzen zuständig; vermutlich, weil sie sich damit gut auskennt.

Mit einer derart expliziten Martyriumsdarstellung darf die Luzia jedenfalls nur im Abendprogramm gezeigt werden. 

Wiltz war 1942 Zentrum einer Streikbewegung gegen die Generalmobilmachung durch die deutschen Besatzer. Dafür wurde dieses Monument errichtet:

In Wiltz erinnert man außerdem an Michel Rodange, der mit seinem Versepos “Renert”, angelehnt an Goethes “Reinecke Fuchs”, so etwas wie das luxemburgische Nationalepos verfaßte. Die ersten Zeilen sind auf einer Brunnenwand zu lesen, die etwas verloren und ausgetrocknet im Stadtpark steht.

Und in Bourscheid, wo mir wegen der ungünstigen Lichtverhältnisse kein sinnvolles Bild der Burg gelungen ist (die in Vianden ist aber ähnlich, s.u.) steht eine Friedhofskapelle mit schönem Buntglasfenster.

Insgesamt ist das ein sehr schönes Eckchen, hier im Norden des Großherzogtums.

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