Neumünster

Vor ein paar Jahren bekam ich mal auf Facebook eine Anfrage von einer unbekannten jungen Frau. Sie: “Bist Du der Carsten, den ich aus Neumünster kenne?” Ich: “Vermutlich nichti ich war da noch nie.” Sie: “Haste auch nix verpaßt.” 

Jetzt dachte ich: Na, das wollen wir doch mal sehen, ob sie recht hatte.

Neumünster ist mit fast 80.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt im Bundesland. Lange Zeit war sie durch die Textilindustrie geprägt; die Schornsteine der Fabriken finden sich sogar im Stadtwappen. Nach dem Krieg wuchs die Stadt durch den Zuzug von fast 20.000 Vertriebenen aus den Ostgebieten stark an. Alte Bausubstanz hat sich hier kaum erhalten.

Ich parke in der Nähe des Zentrums und gehe in Richtung Innenstadt. Hier ist die Stadt nicht sehr ansehnlich. Stattdessen: Dönerbude, Sonnenstudio und Shisha-Bar. Daraus das Stadtbild zu beurteilen, wäre aber natürlich mehr als unfair, denn das findet man in fast identischer Form inzwischen fast überall in Deutschland. Immerhin gibt’s hier noch das Tunnel-Eck; das ist markant und heißt offensichtlich auch zurecht so.

So richtig viel sehenswerter wird’s aber im Zentrum dann tatsächlich auch nicht. Der langgestreckte Marktplatz mit dem düster wirkenden Rathaus und der Alten Post ist etwas uneinheitlich bebaut.

Er wird zudem noch durch eine Straße und einen mitten hindurch gelegten breiten Fahrradweg zerschnitten und wirkt dadurch etwas ungemütlich. 

Auch an einigen anderen eigentlich ganz netten Stellen wird der Eindruck durch einfallslose Allerweltsarchitektur getrübt.

Wenigstens ein paar Blickpunkte setzen einzelne Häuserzeilen mit schöner Gründerzeit-Architektur. 

Insgesamt lag die junge Dame aber nicht so ganz falsch.

Kurzer Abstecher zum Fußball: Der VfR Neumünster war in den 50er Jahren eine feste Größe in der damals erstklassigen Oberliga Nord (1959 Platz 3). Spielstätte der der Lila-Weißen (die Farben sind überall in der Anlage präsent) ist das Stadion an der Geerdtsstraße. Das firmiert inzwischen als “Edeka Grümmi Arena”. Wer denkt sich sowas nur aus? Ok, jemand aus dem Marketing, schon klar. Aber warum?

Schön ist übrigens der am nördlichen Stadtrand gelegene Einfelder See mit seinen vielen Badestränden und dem Segel-Club.

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