Braunsbedra und der Geiseltalsee

“Eines Morgens, als ich von der Terrasse aus auf die Marina blickte, erschienen ihre Wasser mir tiefer
und leuchtender, als ob ich sie zum ersten Male mit
ungetrübtem Sinn betrachtete.” (Ernst Jünger)

Weil sie hier den Bootshafen am See “Marina” nennen, fühlte ich mich an Ernst Jünger erinnert. Aber es gibt hier am Geiseltalsee keine Marmorklippen.

Der Geiseltalsee ist eventuell der größte künstliche See Deutschlands. Eventuell deshalb, weil auch der Forggensee bei Füssen dieses Prädikat beansprucht. Vermutlich wegen schwankender Wasserstände oder unterschiedlicher Kriterien bei der Größendefinition (Volumen, Oberfläche…) ist das auch nicht so eindeutig. 

Eindeutig ist hingegen die Entstehung des Sees: Es ist das Becken eines Braunkohle-Tagebaus, dem mehrere Dörfer zum Opfer fielen. Als der Tagebau 1993 eingestellt wurde, blieb ein 80 Meter tiefes Loch. Es dauerte acht Jahre, bis es (mit Wasser der Saale) geflutet war.

Die Nachfolgelandschaft ist nun zur Sehenswürdigkeit und zum Erholungsgebiet geworden und wird inzwischen auch von vielen Fischarten bevölkert. Ein 25km langer Radweg führt um den kompletten See.

Von einem hölzernen Aussichtsturm am Ortsrand von Braunsbedra hat man eine schöne Sicht über den See und die neu gestalteten Ufer mit Seebrücke und Marina. 

Im Ort Braunsbedra findet man den Caßler-Hof. Hier hat 1761 der Böttcher Michael Caßler ein Laufrad erfunden, das als erstes funktionsfähiges Laufrad gilt und heute im Deutschen Museum steht. Stimmt die Geschichte (manches Detail der Überlieferung hat eher Legendencharakter), war Caßler dem Freiherrn von Drais und dessen patentierten Ur-Fahrrad um 56 Jahre voraus. In Braunsbedra jedenfalls hegt man keine Zweifel.

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