Der Höhenrücken etwa 120 Meter über der Tiefebene westlich von Béziers bot sich mit seiner hervorragenden Aussicht in alle Richtungen geradezu an, um sich hier niederzulassen. So entstand schon in der Eisenzeit, also etwa im 6. Jahrhundert eine keltische Höhensiedlung.

Enserune war ein wichtiger Handelsplatz, weshalb man hier viele Funde machen konnte, die aus weiter entfernten Gegenden stammen, insbesondere aus Griechenland, mit dem besonders gute Handelsverbindungen bestanden (griechische Kolonien lagen ohnehin in der Nähe, Agde zum Beispiel oder Massalia, das heutige Marseille). Getreide wurde in großen Tongefäßen gelagert.


In der Villa, die etwa in der Mitte der ehemaligen Siedlung steht, ist ein Museum untergebracht, das Funde aus Enserune zeigt.


Und natürlich hat man von hier oben eine hervorragende Sicht in alle Richtungen. Das war ja auch einer der Gründe, genau hier eine Siedlung anzulegen. Man sieht sehr weit, auch bei eher bedecktem Himmel (am späten Nachmittag kamen Wolken auf und es regnete sogar etwas; eine willkommene Abkühlung nach den über 30 Grad der letzten beiden Tage). In Richtung Südwesten zum Beispiel sieht man bis zu den Pyrenäen.

Im südlichen Vorland des Hügels verlaufen wichtige Verkehrswege in West-Ost-Richtung: Heute ist das vor allem die Autoroute A9 (Orange-Perpignan), früher war es der Canal du Midi, und in der Antike verlief hier die Via Domitia.

Im Startbild, Blickrichtung Norden, kann man neben den Mauerresten des Oppidums auch den Étang de Montady sehen: Eine sehr markante flache Ebene mit Mittelkreis und schnurgeraden Strahlen.

Der Étang de Montady war ursprünglich ein flacher See, der im Mittelalter trockengelegt wurde. Die Entwässerungsgräben bilden ein markantes geometrisches Muster: Einen perfekt kreisrunden Wassergraben im Zentrum und davon ausgehend perfekt gerade Linien von Wassergräben, die strahlenförmig in alle Richtungen verlaufen. Von oben betrachtet, wofür sich das Gelände von Enserune perfekt eignet, sieht das sehr außergewöhnlich aus. Das Wasser wurde übrigens unter dem Hügel von Enserune hindurch abgeleitet; dafür wurde schon im 13. Jahrhundert ein 1,3 Kilometer langer Tunnel durch den Hügel gegraben. Für all das brauchte man im 13. Jahrhundert echte Fachleute: Die kamen aus Fontfroide und Fontcaude – und waren Zisterzienser- bzw. Prämonstratensermönche.

Der ganze See hat einen Durchmesser von etwa zwei Kilometern, der Mittelkreis einen Durchmesser von etwa 315 Metern. Wäre der Reisehase ein Mathe-Lehrer, könnte er jetzt irgendwelche Aufgaben zu Umfängen oder zur Größe der Segmentflächen stellen Ist er aber nicht – und außerdem gerade selber zu faul zum Rechnen. 🙃
