Kattowitz ist die größte und wichtigste Stadt im Oberschlesischen Revier. Der Ort hat sich in der Industrialisierung von einem kleinen Bauerndorf zu eine Großstadt von heute fast 300.000 Einwohnern entwickelt.

Auf sehr alte historische Bauten sollte man also nicht spekulieren. In Kattowitz dominieren die Moderne und die Industriearchitektur. Langweilig oder unansehnlich ist die Stadt aber auf keinen Fall. Vor allem in den letzten Jahren sind viele markante Neubauten dazugekommen.


Noch aus der Zeit der Volksrepublik stammt dieses Ufo: Der „Spodek“, wie die Veranstaltungshalle heißt, wurde 1964-71 gebaut.


Direkt nebenan steht das Konferenzzentrum und verschwindet zum Teil unter begrünten Dachflächen.

Kattowitz ist nicht nur nach Einwohnern groß; die Innenstadt verteilt sich über eine recht weite Fläche, die gleich zweimal in West-Ost-Richtung von Verkehrswegen durchschnitten wird: Von der Eisenbahnlinie Breslau-Krakau und, nördlich davon, von der mehrspurigen Schnellstraße 75, die parallel zur Autobahn A4 quer durchs Revier verläuft und mitten durch die Innenstadt schneidet wie der Ruhrschnellweg durch Essen.

Einen Rynek, also einen Ring(platz), gibt es auch. Er ist für eine Stadt wie Kattowitz angemessen groß und etwas uneinheitlich bebaut, außerdem durch mehrere Gebäude in kleinere Teilplätze aufgeteilt.


An einem künstlichen Wasserlauf kann man sitzen oder liegen. Ich bin immer wieder begeistert, wie schön und einfallsreich hier in Polen die Stadtplätze gestaltet sind. Und wie gepflegt das alles wirkt. Bzw. nicht nur wirkt, sondern IST. Egal, ob Residenz- oder Industriestadt, ob Groß- oder Kleinstadt.

Noch ein bißchen moderne Architektur: Die Schlesische Bibliothek erhielt 1998 einen Neubau.

Und auch wenn Kattowitz heute eher Dienstleistungsstadt ist: Die industrielle Vergangenheit kann man auch noch erleben. Im Stadtteil Domb (Dąb) hat man auf dem Gelände der ehemaligen Grube Gottwald ein riesiges Einkaufszentrum (Silesia City Centre) errichtet und den Förderturm stehen lassen. In Zentrumsnähe steht noch der Förderturm der Ferdinandgrube (Zeche Kattowitz) und dient heute als Aussichtsturm, wofür man einen Aufzug angebaut hat.

Nebenan ist auf dem ehemaligen Grubengelände heute das Schlesische Museum untergebracht. Dafür (und für vieles andere) hat heute die Zeit leider nicht gereicht – nach Kattowitz und überhaupt ins Oberschlesische Revier werde ich wohl nochmal zurückkommen müssen. Was ich aber mit Freude mache (abgesehen von den tausend Kilometern Anfahrt…).
