Nach all den vielen Dörfern und Kleinstädten heute das totale Kontrastprogramm: Toulouse. Großstadt.

Der Plan war einfach: Statt mit dem Auto ins Zentrum zu fahren lieber den Zug nehmen. Der braucht vom Bahnhof Rabastens-Coufouleux (wo es einen großzügig dimensionierten kostenlosen Parkplatz gibt) nur eine knappe halbe Stunde. Eigentlich. Wenn es aber auf der Strecke einen Böschungsbrand gibt, werden aus den 30 Minuten schnell mal 90. Aber es hilft ja nichts; wenn ich mich aufrege, brennt’s auch nicht schneller, also positiv bleiben: Ich darf dreimal so lange Bahnfahren fürs selbe Geld. 😉 Oder genauer gesagt: Ich darf im Zug sitzen. Der steht nämlich laaaange in Montastruc-la-Conseillère. Aber insgesamt nehmen die Franzosen das Ganze sehr stoisch hin; ich höre niemanden meckern. Und die Klimaanlage funktioniert. Wir sind ja nicht im ICE.
Schließlich sind wir dann doch noch angekommen im Bahnhof Toulouse-Matabiau.

Der Reisehase ist ja kein Großstadthase, und so kann er sich von der viertgrößten französischen Stadt auch bei diesem Besuch (es ist nicht der erste) nicht so richtig verzaubern lassen. Es bleibt aber nach der hakeligen Anreise auch eigentlich nur Zeit für einen kurzen Gang durch die Innenstadt. Mit Start an der zentralen Place du Capitole mit dem prächtigen klassizistischen Palast, der die komplette Ostseite des Platzes einnimmt. Das Kapitol ist das Rathaus der Stadt und gut und gerne noch einmal so breit wie der hier auf dem Bild zu sehende Mitteltrakt.

Ebenfalls auf der Place du Capitole sind diese Installationen, die uns schon mehrfach begegnet sind. Hier mal in Goldtönen.

Toulouse liegt an der hier schon sehr breiten Garonne, die sich später in Bordeaux (das mir als Stadt im direkten Vergleich insgesamt deutlich besser gefällt) mit der Dordogne zur Gironde vereinigen wird.

Das hier ist Saint-Pierre, eine Kartäuserkirche. Sie liegt auf dem direkten Weg vom Garonne-Ufer zu Saint-Sernin.

Diese Kirche ist Pflichtprogramm, weil sie in der Liste meiner Lieblingsorte in Frankreich auftaucht. Sie ziert in voller Pracht schon das Startbild dieses Beitrags und zählt, zumindest für den Reisehasen, zu den schönsten Kirchen Frankreichs. Das liegt nicht zuletzt an diesem wunderschönen Kirchturm. Viel mehr Eleganz geht nicht.

Aber auch das Innere ist sehr beeindruckend und erinnert mit seiner schlichten Eleganz fast an eine Zisterzienserkirche (trotz der stilistischen Unterschiede).


Außerdem hatte ich noch einen Pflichtbesuch zu absolvieren und mußte dafür mit dem Bus in die Vororte: In Blagnac im Nordwesten von Toulouse steht nämlich ein ehemaliges Trappistinnenkloster. Der Konvent selbst zog 1939 nach Rivet südöstlich von Bordeaux. Dort war ich schon, aber nun kann ich auch den Vorgängerstandort in Blagnac erfolgreich abhaken. In den Gebäuden leben heute Nonnen eines anderen Ordens (Communauté des Béatitudes). Die Trappistinnen hatten Blagnac verlassen, weil in der Nähe der Flughafen Toulouse angelegt worden war. Für einen Orden der Stille, wie es der Trappistenorden ist, war Blagnac danach nicht mehr die richtige Umgebung.

Und auf dem Weg von Toulouse nach Blagnac lag dann noch das Stade Ernest-Wallon, in dem seit 1982 Stade Toulousain zuhause ist, einer der erfolgreichsten französischen Rugby-Clubs. 25mal Meister, unter anderem in den letzten vier Jahren (2023-26). Es läuft also sportlich gut in Toulouse – im Rugby, das hier im Süden Frankreichs den klassischen Fußball ziemlich dominiert (fast alle Erstligisten im Rugby kommen aus dem Süden (Bayonne, Castres, Montauban, Bordeaux, Perpignan etc.). Die Fußballer vom FC Toulouse konnten hingegen noch keinen Meistertitel feiern und landen in der Regel nur im Mittelfeld der Ligue 1.

Ich hatte mich länger im Fanshop von Stade Toulousain umgeschaut, aber die günstigsten T-Shirts (weiß, mit kleinem Vereinwappen) starten bei 30 Euro, und die Trikots kratzen an der 100-Euro-Marke. Das will sich mir nicht (ich mag diese Formulierung, die Erwin Strittmatter in seinem Roman „Der Laden“ häufiger verwendet).