Teschen (Cieszyn)

Teschen ist eine sehr hübsche Stadt, die noch heute ein gewisses Flair aus den Zeiten der Habsburgermonarchie vermittelt und zu den schönsten Städten auf der diesjährigen Schlesien-Tour zählt.

Eigentlich sind es sogar zwei Städte bzw. das historische Teschen ist heute eine geteilte Stadt: Es gibt das polnische Cieszyn am rechten Ufer der Olsa und das tschechische Český Těšín am linken Flußufer. Die Olsa bildet nämlich seit dem Ersten Weltkrieg die polnisch-tschechische Grenze. Vorher gehörten Teschen und die Umgebung, das sogenannte Teschener Schlesien, zu Österreich. Mit dem Zerfall der Donaumonarchie war das Gebiet zwischen Polen und der noch jungen Tschechoslowakei heftig umstritten. Die beiden Länder führten 1919 sogar einen veritablen Grenzkrieg, ehe die Alliierten eingriffen und das Gebiet schließlich aufteilten. Die Olsa wurde zur Grenze und ist es bis heute. Links Tschechien, rechts Polen:

Blick auf den tschechischen Teil der Stadt und die Mährisch-Schlesischen Beskiden im Hintergrund:

Das historische Stadtzentrum von Teschen liegt auf der polnischen Seite. Hier steht am Olsa-Ufer noch ein alter Straßenbahnwagen der Linie 4 mit dem Fahrtziel Bielitzer Straße. Die wird er aber nicht mehr erreichen, zum einen, weil die Straße heute nicht mehr so heißt (sondern Ulica Bielska, was inhaltlich aber zumindest immer noch dasselbe ist), zum anderen, weil dort gar keine Straßenbahnschienen mehr liegen. Das Auf- und Abspringen während der Fahrt, verkündet noch eine Aufschrift neben der Tür, ist aber trotzdem verboten.

Direkt oberhalb steht am Burgberg das klassizistische Jagdschloß der Habsburger.

Der Burgberg bietet auf seinem Gipfelplateau mit der Rotunde (Kapelle St. Nikolaus und St. Wenzel) aus dem 12. Jahrhundert einen der ältesten Bauten der Region, der es sogar auf den aktuellen 20-Złoty-Schein geschafft hat.

Einen Hügel weiter liegt das Stadtzentrum mit dem rechteckigen Rynek, der von prächtigen Gebäuden umstanden ist.

Dieses Wochenende ist Stadtfest, und auf dem Rynek ist die Hauptbühne aufgebaut, auf der gerade eine Band probt: Stilrichtung Hardrock / Alternative Rock. Das ist schon in der Probe durchaus laut und gefällt nicht allen, wie ich aus Gesprächen erfahre. Ich fand die aber gar nicht schlecht, auch wenn sie die Fundamente der Ringbebauung vermutlich beim eigentlichen Konzert an die Belastungsgrenze gebracht haben dürften. Die Band heißt Ørganek und ist in Polen durchaus bekannt, hat auch einen (polnischen) Wikipedia-Eintrag, und bei Youtube findet man einiges, zum Beispiel „Mississippi w ogniu“.

Rund um den Rynek, der unter Ørganeks Gitarren und Bässen bebt, liegen schöne Straßen. Das ganze Zentrum von Teschen ist äußerst sehenswert. Das Gebäude links ist das Museum des Teschener Schlesiens, das die Geschichte der Region erzählt.

Es gibt im Zentrum zwei Brücken über die Olsa, die in die tschechische Nachbarstadt führen (plus etwas weiter südlich eine Fußgängerbrücke). Český Těšín ist erst seit der Grenzziehung eine eigenständige Stadt und war vorher lediglich eine Vorstadt, die aber den Teschener Bahnhof besaß. Ein echtes Zentrum gibt es hier daher nicht, aber Sehenswertes natürlich schon. Das Avion ist ein historisches Literaturcafé, das schon in den 30er Jahren existierte und vor ein paar Jahren an gleicher Stelle direkt an der Olsa-Brücke in einem modernen Pavillongebäude wiedereröffnet wurde.

Und anderswo huldigt man auf einem großen Wandgemälde Nikolaus Kopernikus.

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