Am Tarn liegen zwischen Gaillac und Toulouse gleich mehrere Bastides, also Städte, die im Mittelalter ungefähr zeitgleich als befestigte Plätze gegründet wurden und eine ähnliche Stadtanlage aufweisen. Von Norden nach Süden sind das Lisle-sur-Tarn, Rabastens und Saint-Sulpice-la-Pointe.

Ich muß jetzt selbst aufpassen, daß ich nicht durcheinanderkomme, denn die Städte ähneln sich tatsächlich sehr. Starten wir im Norden, in Lisle-sur-Tarn. Von dessen Hauptplatz, der als einer der schönsten Bastide-Plätze gilt, stammt das Startbild des Beitrags. Gegenüber steht das Rathaus der Stadt.

Alle Platzseiten haben überdachte Arkadengänge: Eines der typischen Metkmale der Bastides.

Lisle-sur-Tarn liegt zwar trotz des Namens nicht auf einer Flußinsel, aber direkt am Ufer des Tarn.

Und weil wir hier in der Region Okzitanien sind, sind die Ortsschilder zweisprachig: Französisch und Okzitanisch. Es ist die Sprache, die dem Languedoc den Namen gab.

Auch Rabastens, etwa zehn Kilometer südlich, liegt auf einem Hochufer des Tarn.

Hier ist vor allem die markante Kirche sehenswert. Notre-Dame-du-Bourg, eine wichtige Etappe auf der Via Tolosana, einem der klassischen Jakobswege in Frankreich, zeigt mehr noch als viele andere Kirchen der Bastides einen wehrhaften Charakter. Das Westwerk mit seinen hohen Mauern macht die Kirche zur Kirchenburg.

Im Inneren ist sie auch recht dunkel, aber durchaus interessant bemalt.

Mal schauen, ob ich ein Photo des Chorgewölbes mit dieser Bemalung ohne Beanstandung im Blog veröffentlichen kann. Die Hakenkreuze wurden aber schon im 14. Jahrhundert gemalt, sind also gänzlich unverdächtig. Es sind schlichte Sonnensymbole, die für Wohlstand und Glück stehen.

Bastide Nummer drei, wieder etwa zehn Kilometer weiter südlich, ist Saint-Sulpice-la-Pointe. Auch hier findet sich die übliche Bebauung an den gitterförmig angelegten Straßen.

Die namensgebende Pointe, an der Saint-Sulpice-la-Pointe liegt, ist der Zusammenfluß von Tarn und Agout am nördlichen Stadtrand. Anstelle des Stadtbildes hatte der Reisehase erstmal nur Augen für Anderes. Da stand nämlich eine Göttin auf dem Parkplatz. Sämtliche Städte würden viel schöner aussehen, hätte sich das Automobildesign nicht in den letzten 40 bis 50 Jahren so rapide verschlechtert. So einen würfelförmigen SUV versuche ich ja nach Möglichkeit beim Photographieren zu vermeiden. Eine DS dürfte hingegen immer mit aufs Bild.

Und ihre anderen Zeitgenossen auch: Zum Beispiel dieser 504. So einen, nur in blau (glaube ich) hatte mein Vater auch mal.

Aber jetzt zu den architektonischen Sehenswürdigkeiten. Die Kirche in Saint-Sulpice ist ein außergewöhnlicher Bau, mit massivem Westwerk auf rotem Backstein. Die befestigten Kirchen in den Bastides waren den zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen in der Region geschuldet, angefangen mit den Albigenserkriegen im frühen 13. Jahrhundert.

Über den Agout führt eine hübsche, aber sehr schmale Hängebrücke, die ursprünglich 1849 erbaut und 1930 bei einem Hochwasser zerstört wurde. Der heutige Bau stammt also von 1931, hat aber die originale Form. Ursprünglich war die Brücke mautpflichtig, weshalb es an beiden Zugängen kleine Mauthäuschen gab. Heute kann man die Brücke frei überqueren, muß aber auf eventuellen Gegenverkehr achten, weil es nur eine Fahrspur gibt. Das geht ohne Ampelschaltung und klappt nur, weil alle ein wenig nachdenken, schauen, bevor sie auf die Brücke fahren und bereit sind, dem entgegenkommenden Verkehr auch mal den Vortritt zu lassen.

Blick von der Brücke auf den Agout:
