Die Berge des Haut-Languedoc bilden einen der südlichsten Ausläufer des Zentralmassivs und den Norden der Region Languedoc, von der man vermutlich vor allem den Küstenstreifen am Mittelmeer kennt, mit Sète, Agde und Port-la-Nouvelle. Aber die Region ist viel größer und hat neben dem stark touristischen Küstenstreifen auch ein weniger bekanntes Hinterland.

Das Haut-Languedoc ist gebirgig und bietet einige durchaus lange und kurvige Paßstraßen. Die Berge sind allerdings nicht ganz so hoch wie weiter nördlich im Cantal, daher sind sie oft bis zum Gipfel dicht bewaldet. Größere Orte gibt es kaum, und wenn, dann eigentlich nur unten in den Flußtälern.

Die kleinen Dörfer, die man teilweise an sehr gewagte Stellen gesetzt hat, haben oft nur wenige Einwohner. Wenn da überhaupt noch jemand dauerhaft wohnt.

Fährt man von Hérépian im Süden über die D622 quer durch das Haut-Languedoc, kommt man nur durch einige kleinere Ortschaften wie Murat-sur-Vèbre. Zu sehen gibt’s vor allem Landschaft, insbesondere von den Paßhöhen. Einer der Pässe heißt Col des Treize Vents, an dem mich die Namen der 13 Winde – wieso ausgerechnet 13? – schon mal interessieren würden. Erst nach etwa 50 Kilometern Fahrt kommt eine Stadt, die diesen Namen wenigstens ansatzweise verdient. Dabei hat Lacaune aber auch bloß 2.500 Einwohner.

Auf dem zentralen Platz steht die Fontaine des Pisseurs, die als Brunnenfiguren genau das hat, wonach der Name klingt. Momentan pissen sie aber gerade nicht. Der Reisehase ist trotzdem leicht indigniert. Echt jetzt?

Der Brunnen steht übrigens seit 1913 unter Denkmalschutz.
Deutlich älter und deutlich weniger anzüglich ist die Pierre Plantée, ein Statuenmenhir, wie sie hier in der Region sehr häufig sind: Prähistorische Steine mit Einritzungen vor allem von Menschenfiguren. An der Pierre Plantée kann man die Einritzungen aber kaum noch erkennen, weil der Stein zu stark verwittert ist. Er ist mit über vier Metern Höhe der größte Statuenmenhir Europas und steht am Ortsrand von Lacaune in einem Feld.

Eine moderne Interpretation der Pierre Plantée steht in Murat-sur-Vèbre. Er zeigt die typischen Einritzungen der originalen Menhire: Augen, Mund, Gürtel. Und er ist einfach nur niedlich, oder?

Südlich von Lacaune wird die Vèbre durch eine 50 Meter hohe Staumauer zum recht großen Lac de Laouzas aufgestaut.

In der Nähe kann man in der Kirche im kleinen Dorf Nages die modernen Fresken (2005 gemalt) bewundern.
