Gorges du Tarn

Wie andere Flüsse, die das Zentralmassiv durchqueren, bildet auch der Tarn auf weiten Strecken ein sehr sehenswertes Flußtal: Der Tarn hat sich tief in die Hochflächen der Cévennen (die meist aus Kalkstein bestehenden Causses) eingeschnitten und fließt in zahlreichen Schleifen westwärts.

Besonders spektakulär ist das Flußtal im Abschnitt zwischen Florac und Sainte-Enimie. Florac war mal der Ort der Handlung in einem kleinen Buch, das wir im Französisch-Unterricht gelesen haben: „Séjour surprise dans un village du Tarn“, in dem es, wenn ich mich richtig erinnere, zwei Kinder als blinde Passagiere in einem Möbellaster nach Florac verschlägt. Für den Lapin Voyageur ist das hier aber kein Séjour Surprise, sondern volle Absicht. Allerdings läßt er Florac heute mal aus und trifft erst etwas weiter flußabwärts, in Ispagnac auf das Tarn-Tal. Dort sind manche Dörfchen wirklich abenteuerlich an die Talhänge geklebt, so wie Castelbouc:

Bei Ispagnac wird das Flußtal etwas breiter.

Die alte Bogenbrücke führt hinüber nach Quézac, wo es eine bekannte Mineralquelle gibt. Das Wasser aus Quézac kommt auch in Flaschen abgefüllt in den Handel. Kann man im Supermarkt finden, auch wenn es nicht so verbreitet ist wie Volvic, Vittel oder Évian.

Le Lapin du Tarn.

Ispagnac ist ein hübsches kleines Städtchen mit sehr alter romanischer Kirche (12. Jahrhundert), die im Inneren sehr dunkel ist und sehr wuchtig wirkt.

Mitten durch den Ort führt die Rue de la Ville / Rue des Barrys, die früher die Hauptstraße der Stadt war. Weil das als Durchgangsstraße für den modernen Verkehr nicht sonderlich gut funktionieren würde, hat man parallel dazu die Rue Neuve angelegt, auf der der Durchgangsverkehr am Zentrum vorbeigeführt wird. Hier hingegen möchte man mit dem Auto nicht durch, und für alle anderen ist das sowieso angenehmer.

Aber grundsätzlich sind zumindest Abschnitte der Straße offiziell befahrbar. Hier zum Beispiel könnte man sogar mit offiziell erlaubten 30 km/h durchfahren, wobei ich das gerne mal sehen würde, wie da jemand auf diesem glatten Pflaster mit 30 durchbrettert, ohne an den vorstehenden Häuserecken zu zerschellen. Zumal kurz vor dem 30er Schild noch ein 90-Grad-Winkel zu fahren wäre.

Man beachte auch: Es gibt ein Parkverbot, aber kein Halteverbot!

Die Landstraße entlang des Tarn ist zwischen Ispagnac und Sainte-Enimie zwar auch stellenweise recht schmal und überhaupt sehr kurvig, aber so eng wird es dann zum Glück doch nicht. So kann man ganz gemütlich fahren, hat angemessen viel zu tun (schalten, bremsen, lenken, aufpassen) und sieht trotzdem viel von diesem schönen Flußtal. Autofahren kann Spaß machen.

Sainte-Enimie, 440 Einwohner zählend, ist Mitglied in der Vereinigung der „Plus Beaux Villages de France“, was vermutlich zum einen auf die Lage im Flußtal zurückzuführen ist…

…zum anderen aber auch auf den hübschen Ortskern, der sich den Berghang hinaufzieht bis zur ehemaligen Abtei Sainte-Enimie, ein im 6. Jahrhundert gegründetes und in der Französischen Revolution aufgehobenes und größtenteils zerstörtes Benediktinerkloster.

In Sainte-Enimie teilt sich die Straße: Eine Landstraße führt nach Süden durch die Causse Méjean nach Meyrueis (man kann sie im Bild hier unten sehen), eine führt am Fluß entlang nach Westen bis La Malène (und weiter bis Millau), und eine dritte führt auf der Nordseite des Tarn hinauf auf die Hochfläche der Causse de Sauveterre und dann weiter nach La Canourgue. Und die nimmt der Reisehase. Was sich allein schon wegen der grandiosen Ausblicke lohnt.

Und überhaupt:

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