Gotthard 2: Gurtnellen bis Göschenen

Spätestens bei Amsteg verengt sich das Reusstal deutlich, und die Eisenbahntrasse, die alte Gotthardstraße und die Autobahn A2 rücken näher zusammen und füllen den schmalen Talboden zusehends aus. Von Wassen kann man das schön sehen. Der Alpen-Transitverkehr ist hier aber schon längst im neuen Gotthard-Basistunnel verschwunden.

Gurtnellen ist ein kleines, aber sehr hübsches Dorf an der Reuss und an der Gotthardbahn.

Wassen ist ein Knotenpunkt, nicht nur wegen der Autobahnausfahrt. Hier beginnt der Sustenpaß, der hinüber nach Innertkirchen im Berner Oberland führt. Er ist aber noch gesperrt. Normalerweise wird die Wintersperre irgendwann im Mai aufgehoben.

An der Ausfahrt Wassen fließt der Verkehr heute reibungslos.

Trotz seiner nur etwa 400 Einwohner ist Wassen ein zentraler Ort im sehr dünn besiedelten oberen Reusstal. Die Pfarrkirche stammt aus dem Jahr 1734. Sie steht auf einem Hügel oberhalb des Ortes und ist vor allem deshalb bekannt, weil die Züge der Gotthardbahn dreimal an ihr vorbeifahren.

Die Bahn wird bei Wassen nämlich mit Hilfe von zwei Kehrtunnels nach oben geführt, und so passiert man den Ort gleich mehrfach, nur in unterschiedlichen Höhen und Richtungen. Das machte die Kirche zu einem der Wahrzeichen der Gotthardstrecke. Man kann sich das z.B. bei Google Maps anzeigen lassen:

Die gerade Linie rechts davon ist übrigens der Gotthard-Basistunnel. Von der Kirche aus hat man einen schönen Blick das Reusstal hinab in Richtung Gurtnellen.

Für die Gotthardbahn und die Autobahn ist in Göschenen endgültig Schluß mit dem Tageslicht: Beide verschwinden hier in ihrem Gotthard-Tunnel und kommen erst wieder auf der Tessiner Seite des Gebirgsmassivs ins Freie.

Der knapp 17 Kilometer lange Gotthard-Straßentunnel beginnt kurz vor dem Ortseingang Göschenen. Er wurde 1970-80 gebaut und ließ seit 1980 die alte Gotthardstraße zu einer fast rein touristischen Angelegenheit werden. Den Ort Göschenen, malerisch auf hohem Fels oberhalb der Reuss gelegen, sieht man seitdem nicht mehr, es sei denn, man nimmt die alte Paßstraße.

Der 15 Kilometer lange Bahntunnel wurde 1872 bis 1880 durch den Berg gebohrt, geplant von Louis Favre und gegraben von zahlreichen meist italienischen Arbeitern, die so ausgebeutet wurden, daß es mehrfach zu Streiks und Aufständen kam. Gebohrt wurde von beiden Seiten gleichzeitig, also von Göschenen und von Airolo aus. Der Durchstich gelang planmäßig im Jahr 1880; die Abweichung betrug lediglich lächerliche 33 Zentimeter. Eine Meisterleistung für damalige Verhältnisse, wie überhaupt der gesamte Tunnel. Wie übrigens auch der 57 Kilometer lange Gotthard-Basistunnel und wie eigentlich überhaupt das gesamte Schweizer Bahnnetz.

In Göschenen beginnt außerdem die Schöllenenbahn, eine meterspurige Zahnradbahn, die auf einer etwa 3,7 Kilometer langen Strecke hinauf nach Andermatt fährt.

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