Schoorlse Duine

Westlich von Alkmaar liegt eine Dünen- und Heidelandschaft, die sich bis zum Meer bei Bergen aan Zee erstreckt.

(Niederländisch: Zee = Meer, aber Meer = See). Klingt komisch, aber im Deutschen heißt’s ja auch Seefahrt und Seemann, und es gibt das Steinhuder Meer, das definitiv ein See ist.

Aber ich schweife ab. Die Heide ist mit schönen Wander- und Radwegen erschlossen, und die Wanderung bei Bergen lohnt sich aktuell ganz besonders, denn das Heidekraut blüht und sorgt für tolle Farbspiele in der sandigen Dünenlandschaft. Und da sagen Bilder mehr als Worte.

Schon wieder begeistert: Der Heidehase.

Alkmaar

Das etwa 40 Kilometer nördlich von Amsterdam gelegene Alkmaar schreibt “Prachtstadt” über seine Ortsschilder. Und tatsächlich ist es eine ausgesprochen hübsche, typisch holländische Stadt. “Holländisch” ist jetzt das korrekte Adjektiv, denn hier befindet man sich im eigentlichen Holland, genauer in der Provinz Noord-Holland.

Ein paar Impressionen: Die Stadtwaage (Waag):

Stenenbrug:

Molen van Piet: Die Windmühle aus dem 18. Jh. dient noch immer als Getreidemühle und hat sich zum Wahrzeichen der Stadt entwickelt.

Überregional bekannt istﹰAlkmaar für seinen jeden Freitag stattfindenden Käsemarkt; heute ist aber Samstag, also nix mit dem größten Käsemarkt des Landes. Schade. Die Innenstadt ist aber trotzdem sehr belebt, und schöne Cafés und Restaurants gibt’s ohne Ende.

Die Altstadt mit ihren alten Backsteinhäusern und Speichergebäuden ist von einem Ring von Kanälen umgeben und von Grachten durchzogen. Der Vergleich mit Amsterdam drängt sich also auf. Allerdings ist Alkmaar natürlich wesentlich kleiner; dafür gibt’s aber auch deutlich weniger gammelige Ecken.

Die Grote Kerk (Sint Laurens) hatte ich ja schon erwähnt; sie bietet nicht nur ein hübsches Café im südlichen Querschiff, sondern überhaupt einen sehr sehenswerten Innenraum.

Einen modernen Akzent in der Altstadt setzen die neue Bibliothek und das Theater.

Zeer mooi. Dat vind ik erg leuk.

Nach Alkmaar

Von Kerkrade aus geht es heute morgen einmal quer durchs Land bis nach Alkmaar. Das Erstaunliche: Auf den kompletten 260 Autobahn-Kilometern gibt es nicht eine einzige Baustelle. Als ich gestern über die A61 angereist bin (zur Eingewöhnung, da die Strecke ja ohnehin ab Speyer weitgehend in niederländischer Hand ist), spuckte das Navi hingegen eine drei Bildschirmseiten lange Liste aus. Irgendwas läuft da falsch in Germanistan.

Nun ja, egal, jetzt aber Alkmaar. Die Kaffeepause verbringe ich an außergewöhnlicher Stelle, nämlich in der Grote Sint-Laurenskerk, der gotischen Stadtkirche.

Neutral-Moresnet 

Résumé (service spécial ;-)): L’histoire intéressante (ben… a mon avis…) d’un miniscule pays quasi indépendant de 1816 à 1919 à l’Est de la Belgique: Moresnet-Neutre. 🙂

In Kelmis im deutsch-belgisch-niederländischen Grenzgebiet bestand über 100 Jahre ein quasi eigenständiges Territorium: Neutral-Moresnet war genau 3,4 Quadratkilometer groß, hatte anfangs knapp 300 Einwohner und eine eigene Flagge (schwarz-weiß-blau quergestreift). Nur eine eigene Fußball-Nationalmannschaft, die gab’s nicht.

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Drielandenpunt

Kijk eens! De haas gaat naar Nederland.

Südwestlich von Aachen treffen auf dem Vaalserberg Belgien, die Niederlande und Deutschland zusammen. Am Dreiländereck steht eine kleine Stele, um die herum der Grenzverlauf auf dem Boden markiert ist.

Der niederländische Teil ist gleichzeitig auch der höchstgelegene Punkt des Landes: Genau 322,5m über dem Meer ist man hier.

Neben diesen Landmarken bietet der Ort noch weitere Attraktionen: Zahlreiche Wanderwege, Biergärten, ein Labyrinth und einen Aussichtsturm, den auf belgischer Seite stehenden König-Balduin-Turm:

Aus etwa 50m Höhe ist die Sicht in alle Richtungen natürlich enorm, trotz des heute eher grauen Himmels.

Richtung Belgien (Ardennen):

Richtund Deutschland (Aachen):

Und Richtung NL (das Bergbaurevier um Kerkrade/Heerlen):

Alle Richtungen bedeutet bei diesem Turm übrigens auch: nach unten.

Ein Hase, drei Länder:

Und von 1816 bis 1919 war dieser Dreiländerpunkt sogar ein Vierländerpunkt. Aber das erzähle ich später.

Neuchâtel

Eben noch im Saarland, und schon am nächsten Tag geht es in die Schweiz, zum ersten Mal seit erstaunlich vielen Jahren. Und weil ich diesen Post erst am Folgetag und am Computer schreibe, kann ich hemmungslos labern. Es wird also etwas länger.

Ich habe schlimme Dinge über das Schweizer Preisniveau erzählt bekommen, nehme 80 Schweizer Franken mit und hoffe, dafür wenigstens ein Glas Wasser zu bekommen. 😉 Vor Ort in Neuchâtel, dem Ziel der heutigen Tagestour, entpuppen sich die Preise dann allerdings doch als einigermaßen zivil (Referenzwährung Stadionbier: 0,3ltr. für 3,50€). In Zürich oder Basel dürfte es allerdings tatsächlich anders aussehen.

Mit dem Zug erreicht man ab Karlsruhe innerhalb von gut drei Stunden und mit zweimaligem Umsteigen Neuchâtel (Neuenburg). Und allen Unkenrufen insbesondere über die DB zum Trotz: Alle Züge waren pünktlich, die Fahrt in ICE und IC äußerst angenehm und die junge Dame, die Musik hört und laut mitsingt, trifft zwar nicht alle Töne, ist aber ausreichend unterhaltsam, hört immerhin Mylène Farmer und nicht Mark Forster oder ähnlichen Schmonzes und fährt auch nur von Moutier nach Délémont (also dreieinhalb Lieder lang). In der Schweiz sorgen zudem die Durchsagen während der Fahrt für Wohlfühlklima, allein schon weil sie mit der Anrede “Geschätzte Fahrgäste” beginnen.

Neuchâtel liegt am Westufer des Lac de Neuchâtel und somit auf der französischen Seite des sogenannten Röstigraben, der den deutschsprachigen vom französischsprachigen Landesteil der Schweiz trennt. Bonjour statt Grüezi. Die Lage am Seeufer und auf dem terrassenförmig zu den Kalkbergen des Schweizer Jura ansteigenden Gelände ist das große Plus der Stadt: Die schöne Seepromenade zieht sich weit am Ufer entlang, vorbei auch am Segelboothafen und an hübschen Parkanlagen.

Die Seepromenade ist von La Maladiére im Osten bis zum Strand von L’Evole mehr als zwei Kilometer lang. Genug Platz also auch für nette kleine Details wie die alten, bunt bemalten Hütten am Hafenbecken oder das Belle-Époque-Denkmal am Quai Osterwald.

Berühmtester Sohn der Stadt ist Friedrich Dürrenmatt, der hier auch lebte; zahlreiche seiner Werke spielen in der Umgebung (“Der Richter und sein Henker” beispielsweise etwas nördlich am Bieler See). Sein etwas außerhalb gelegenes und mit bestem Blick über den See ausgestattete Wohnhaus wurde nach seinem Tod von Architekt Mario Botta (der Ruhri kennt vielleicht dessen Landesbibliothek in Dortmund) umgebaut und beherbergt heute das Museum Centre Dürrenmatt. Hauptsehenswürdigkeit der Stadt, von See und Promenade abgesehen, ist das auf einem ersten Felsen oberhalb des Sees gelegene Ensemble aus Schloß (in dem heute die Kantonsverwaltung untergebracht ist) und Kollegiatskirche. Letztere ist in den Schloßhof hineingebaut, war ursprünglich romanisch und präsentiert sich heute im neugotischen Stil der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Stadt und Grafschaft waren ursprünglich burgundisch – das “novum castellum” entstand im 11. Jahrhundert – und gehörten später zum preußischen Königreich: 1814 wurde Neuenburg Schweizer Kanton, blieb aber dennoch bis 1848 preußisches Fürstentum (eine einzigartige Sonderrolle innerhalb der Eidgenossenschaft).

Schön ist auch das Hôtel du Peyrou am Rand der Innenstadt, mit tollem Kräutergarten (da habe ich noch etwas zu tun).

Nordöstlich der Innenstadt von Neuchâtel liegt das Viertel La Maladière mit dem gleichnamigen Stadion. Der Name Maladière erinnert noch an das Kranken- und Lepra-Spital, das im Mittelalter hier angesiedelt war, schön außerhalb der Stadtgrenzen natürlich, um jegliche Ansteckung zu vermeiden. Das Stadion ist ein Neubau, der von außen vor allem deshalb an ein Einkaufszentrum erinnert, weil er eines ist: Das Shopping-Center besteht aus vier Trakten, deren Innenseiten die Tribünenränge bilden, die um den Kunstrasenplatz in der Mitte gruppiert sind. Neben dem Einkaufszentrum beherbergen die Tribünenbauten auch Parkähuser, Sporthallen und ein Feuerwehrhaus.

Von außen deuten ausschließlich die vier erstaunlicherweise traditionellen Flutlichtmasten darauf hin, daß hier auch Fußball gespielt wird, und zwar vom Neuchâtel Xamax, 1916 gegründet und nach dem Mitgründer Max “Xam” Abegglen benannt. 1987 und 1988 wurden die Rot-Schwarzen unter der elsässischen Spieler- und Trainerlegende Gilbert Gress zweimal Schweizer Meister. 2011 wurde der Verein dann vom tschetschenischen Oligarchen Bulat Tschagajew übernommen und binnen kurzer Zeit zugrunde gerichtet und finanziell in die Grütze geritten; 2012 mußte Xamax Konkurs anmelden. Eine der abstrusesten Geschichten im an seltsamen Geschichten ja nicht gerade armen modernen Fußball. Das, was vom Verein noch übrig war, fand sich im Amateurbereich wieder, arbeitete sich durch die Ligen nach oben und spielt inzwischen wieder in der zweiten Liga. Heute geht’s gegen den FC Vaduz (die Liechtensteiner Vereine (es gibt ohnehin nur sechs Stück) spielen in den Schweizer Ligen).

Und nach dem Spiel geht’s dann die etwa hundert Höhenmeter hinauf zum Bahnhof und in vier Stunden wieder zurück. Nicht unbedingt entspannend, aber spannend. D’Reishäsli sagt Merci vielmol.

Niederwürzbach

Als Wanderung war eigentlich der Mariannenweg von Niederwürzbach in Richtung Blieskastel geplant, und normalerweise finde ich mich mit einer Wanderkarte auch in der Gegend zurecht, aber dieses Mal hakte es etwas, so daß die Streckenaufzeichnung in der App manchmal etwas seltsam aussieht. Das sieht nicht nur orientierungslos aus, sondern ist es auch.

Zwar fehlte an der einen oder anderen Kreuzung wirklich die Wegmarkierung, aber es lag wohl eher daran, daß der Reisehase einfach verwirrt ist, wenn Wanderwege mit einem Hasensymbol gekennzeichnet sind. Und so kommt man dann zwangsläufig vom geplanten Weg ab.

Schön war’s trotzdem, hier im landschaftlich sehr reizvollen Biosphärenreservat Bliesgau, bei insgesamt recht gutem Wetter (es gab deutlich mehr Sonne als Nieselregen). Und zumindest einen Cache haben wir auch gefunden; so ganz ohne Orientierung waren wir also doch nicht.

Am Niederwürzbacher Weiher entstand im späten 18. Jahrhundert eine wahre Schlösser-Landschaft: Gleich fünf Barockschlösser ließen die im nahen Blieskastel residierenden Grafen von der Leyen, vor allem Gräfin Marianne, errichten. Hauptresidenz war Schloß Philippsburg, 1788 fertiggestellt und schon vier Jahre später wieder zerstört, als 1792 französische Truppen hier durchzogen. Sechs Jahre Bauzeit für vier Jahre Nutzung: Keine sonderlich gute Quote, wenn auch immer noch besser als die von BER (aktuell elf Jahre Bauzeit vs. null Jahre Nutzung). Auch die beiden gräflichen Landhäuser Bon Voisin und Bagatelle wurden zerstört. Erhalten haben sich aber der Annahof am Nordufer des Weihers (heute Hotel; Bild unten) und der sogenannte “Rote Bau” (Schloß Monplaisir) am Südufer.

Der Weiher selbst wurde übrigens schon im ausgehenden Mittelalter künstlich angelegt, indem der Würzbach aufgestaut wurde. Ab dem 16. Jahrhundert gibt es Aufzeichnungen über einen “new weiher gehn Bliscastell”. Um den See führt ein knapp 2 km langer Wanderweg, den wir ohne uns zu verlaufen (!) (aber mit Abstecher ins Café) absolviert haben.

Und wer sich nun daran erinnert, den Namen Niederwürzbach schon einmal gehört zu haben, obwohl er sich nicht intensiv mit Barockarchitektur beschäftigt: Der TV Niederwürzbach spielte zehn Jahre in der Handball-Bundesliga und war 1995 Europapokalsieger. Sponsor und Manager des Vereins war damals der Unternehmer Rudi Hartz, der Bruder des VW-Personalchefs Peter Hartz (bekannt durch das nach ihm benannte “Hartz IV”). Die Familie Hartz stammt aus Niederwürzbach. Für den 2016 verstorbenen Rudi Hartz wurde am Weiher ein Denkmal aufgestellt.