Tirol: Résumé

Lapin im Wanderland (Les aventures du Lapin Voyageur au pays des randonnées)

Das war nun also die große Hasenblog-Österreich-Tour 2018 durch Tirol. Mit 20 Reisetagen, an denen ich 3.249 Kilometer gefahren und etwa 100 Kilometer gewandert bin (83,05 Kilometer laut Tracking, das ich aber speziell für kürzere Wanderungen im Bereich 5-10 Kilometer in der Regel nicht eingeschaltet habe). 55 57 Blogbeiträge habe ich Euch um die Ohren gehauen und dabei längst nicht alles gezeigt, was auf meiner Reiseroute lag.

Dank einer mehr als zweiwöchigen Schönwetter-Phase brauchte erst am drittletzten Reisetag erstmals den Regenschirm. Der Reisehase hatte also wieder einmal ein glückliches Händchen bei der Terminwahl (auch wenn die Reisezeit eher so gelegt war, um die Pfingstferien zu umgehen). Das permanent gute Wetter sorgte aber auch dafür, daß die Anzahl der Photos insgesamt etwas durch die Decke gegangen ist, weil ich ja bei Regen die Kamera sogar mal in der Tasche lasse.

Da ich zu exakt derselben Zeit und fast genauso lang wie letztes Jahr unterwegs war, bietet sich der Vergleich mit der Steiermark-Tour 2017 an. Den aber, so mein momentaner Eindruck, gewinnt die Steiermark recht deutlich gegen Tirol.

Das große Plus Tirols (und ja letztlich auch verantwortlich dafür, daß das Land ein so beliebtes Reiseziel ist) ist natürlich die Landschaft. Speziell als Wanderland ist Tirol tatsächlich erstklassig.

Wobei es Ende April / Anfang Mai natürlich noch so früh ist, daß Wanderungen in den Regionen oberhalb von etwa 2000 Metern schwierig sind. Die Wege sind noch schneebedeckt, und die höhergelegenen Almen oder Hütten sind um diese Jahreszeit noch geschlossen. Schöne Wanderungen bot die Tour aber natürlich trotzdem, zum Beispiel im Stubaital von Neustift zu den Kartnallhöfen (wo man in der dortigen Jausenstation übrigens nicht nur sehr gut essen kann, sondern auch sehr freundlich bedient wird).

Die Steiermark ist aber zum Beispiel, was die Orte und ihre Architektur angeht, deutlich vielseitiger als Tirol, wo sich die Orte dann doch ähneln. Es gibt aber sehr hübsche Städte und Dörfer in Tirol (Imst, Hall, Rattenberg, Nauders oder Serfaus zum Beispiel). An anderen Stellen, wie in Sölden, hat die Tourismusindustrie allerdings vom traditionellen Ort kaum etwas übriggelassen.

Architektonisch bietet die Region daher keine allzu große Vielfalt. Der recht ausführliche Knaur Kulturführer beschreibt konsequent alle einigermaßen sehenswerten Pfarrkirchen, aber kaum andere Gebäude, und in vielen kleineren Dörfern ist die Kirche (meist gotisch oder barock) tatsächlich auch das einzig erwähnenswerte Einzelbauwerk. 

Vielleicht ist auch deshalb die Auswahl an aktuell verfügbaren Reiseführern so erstaunlich klein (den Knaur gibt es nur noch antiquarisch). Der Dumont Tirol von Ducke/Thoma (2017) konzentriert sich stark auf Hotel- und Restauranttips, bleibt aber speziell was Architektur und Geschichte angeht sehr oberflächlich. Mancher Ort fehlt ganz, andere Gegenden (speziell Osttirol) sind nur sehr knapp abgehandelt; mir fehlten da an zu vielen Stellen die Informationen.

Moderne Architektur ist in Tirol außerhalb Innsbrucks vergleichsweise spärlich vertreten; einige wenige erwähnenswerte Bauten stehen im Inntal, z.B. das Schigymnasium in Schwaz, die Völser Emmauskirche (Josef Lackner, 1965-67) oder das neue Gemeindezentrum in Haiming. 

In Mayrhofen steht das neue Kulturzentrum:

Hin und wieder bietet die Tal- oder Bergstation einer Bergbahn einen außergewöhnlicheren Entwurf; ein Beispiel ist die Penkenbahn, ebenfalls in Mayrhofen. 

Aber herausragende Bauten, wie sie die Steiermark (oder auch das – zu Unrecht – völlig unterschätzte Vorarlberg) bieten, sind in Tirol, auf die Fläche gesehen, eher selten.

Auch kulinarisch kann Tirol nicht mit der Steiermark mithalten, was aber zugegebenermaßen auch schwierig ist, weil es dort ja an allen Ecken und Enden etwas zum Hineinbeißen gab, von Kernöl über Obst und Wein bis hin zu Käse, Schinken und Schokolade. Regionale Produkte, die man in Tirol häufig direkt beim Erzeuger kaufen kann, sind z.B. der Graukäse oder die in zahlreichen Varianten hergestellten Obstbrände. In Heinfels in Osttirol produziert Loacker Eiswaffeln und Schokoladenprodukte und hat auch einen Firmenverkauf. Einzelne Konditoreien bieten handgeschöpfte Schokolade. In vielen Restaurants finden sich explizit regionale Gerichte auf der Karte; vielfach gibt es z.B. die berühmten Tiroler Speckknödel.

Leider stellte sich bei mir im Laufe der Reise, insbesondere in Innsbruck, aber vereinzelt auch im Rest Tirols, der Eindruck ein, daß nicht allzu viel Wert auf Höflichkeit und Freundlichkeit Wert gelegt zu werden scheint. Zumindest habe ich es so erlebt (und formuliere deshalb auch recht vorsichtig – nach zwei, drei Erlebnissen in Innsbruck könnte ich das durchaus auch schärfer ausdrücken).

Man gewinnt bald den Eindruck, daß man nur das Beste des Reisenden will: Sein Geld. Es ist ja nun so, daß ich durchaus bereit bin, den Geldbeutel aufzumachen, wenn ich auf Reisen bin. Aber das ständige Handaufhalten sorgte jedenfalls bei mir zunehmend für gereizte Stimmung, zumal man sich dem auch außerhalb der ohnehin als Touristen-Hochburgen bekannten Orte wie Sölden, Seefeld oder Kitzbühel fast nicht entziehen konnte.

Bei mehr als 47 Millionen Übernachtungen in Tirol im Jahr 2017 (davon 26,5 Mio. im Winter) ist man natürlich überhaupt nicht mehr darauf angewiesen, jeden Einzelreisenden zu umgarnen, selbst wenn derjenige in Begleitung des Reisehasen unterwegs ist. Wobei ich eigentlich als Reisender gar nicht großartig umgarnt werden möchte. Nur will ich mich eben auch nicht geschröpft fühlen. Daß der gefühlte Tiefpunkt der Tour nicht in Tirol lag, sondern auf deutscher Seite in Ettal (vom Besuch des Ortes sei hiermit vehement abgeraten), möchte ich aber auch nicht unerwähnt lassen.

Mit Überquerung der Felbertauern fühlte ich mich jedenfalls sofort deutlich wohler, also in Osttirol und im westlichen Kärnten (Mölltal, Gailtail, Pustertal). Das heißt aber natürlich nicht, daß es im eigentlichen Tirol (in Österreich auch als Nordtirol bezeichnet) nicht auch Sehenswertes gegeben hätte. Auch dort gab es natürlich viele Stellen zum Wohlfühlen, und die Tour war insgesamt auch sehr schön. Sonst wäre auch die (chronologisch sortierte) Liste der Höhepunkte nicht so lange geworden:

– Highline179 bei Reutte
– Dalaas und das Klostertal
– Stuibenfall im Ötztal
– Grainau
– Zisterzienserstift Stams
– Altstadt von Hall in Tirol
– Alpenzoo Innsbruck
– Silberbergwerk Schwaz
– Rattenberg
– Felbertauernstraße
– Lienz
– Römermuseum Aguntum
– Hotel Tauernstern in Winklern <3

Die Orte, die ich auf dieser Tour nicht mehr geschafft habe (speziell die Silvrettastraße, die Gegend um Saalfelden am Steinernen Meer und das Gebiet am Hochkönig) lege ich mir mal für den Spätsommer auf Wiedervorlage. Das könnten ein paar schöne verlängerte Wochenenden werden; wer möchte, kann dann gerne mitkommen. 😊

So, und nun wird es erst einmal ein kleine Pause hier geben, denn vor mir liegen etwa 3.600 Photos, die sortiert, gesichtet und (zu einem kleinen Teil) bearbeitet werden müssen, damit demnächst ein neuer Photo-Bildband in den Éditions du Lapin erscheinen kann.

Pfüats Eich,
Servus,
Euer Lapin Voyageur

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