Ziegenhals (Głuchołazy)

Direkt an der Grenze PL-CZ liegt in den nördlichen Ausläufern des Altvatergebirges und des Zuckmanteler Berglandes die Kleinstadt Ziegenhals, früher auch Bad Ziegenhals, weil in der Stadt Heilquellen entdeckt worden waren. Heute sind auch andere Spezialitäten als Quell- und Thermalwasser im Angebot: Truskawa = Erdbeere.

Ein großes Wandgemälde erzählt aus der Geschichte der Stadt, die sich auch im Untergrund abgespielt hat: Im Mittelalter wurde hier, genau wie im benachbarten Zuckmantel auf der anderen Seite der Grenze, Gold und Eisen abgebaut. Bedeutend waren vor allem die Eisenerzvorkommen. In Ziegenhals investierten daher auch die geschäftstüchtigen Fugger, und die machten das ja in der Regel nur, wenn es sich auch lohnte.

Wenn ein Ort Ziegenhals heißt, ergibt sich das Stadtwappen quasi zwangsläufig. Im Wandbild oben links kann man das schon sehen. Das Wappen ist auch als Mosaik im Boden des Ringplatzes eingelassen. Es zeigt aber nicht nur den Hals der Ziege, sondern auch den Kopf. Der Hals allein taugt nur ganz schlecht als Wappensymbol. Das Wappen wurde, wie nahezu überall in den polnisch gewordenen deutschen Ostgebieten, auch nach dem Krieg unverändert beibehalten, obwohl der polnische Stadtname Głuchołazy gar nichts mit der Ziege zu tun hat.

Der Ring in Ziegenhals ist ein großer rechteckiger Platz, der wie fast überall in Schlesien sehr gepflegt ist. Hier hat man viel Grün gepflanzt, so daß der Ring stellenweise fast wie ein Park wirkt.

Man kann an manchen Mauern auch noch Relikte der Vorkriegszeit entdecken.

Und die Mauern erzählen noch eine andere Geschichte, eine aus jüngerer Zeit. Genauer aus dem September 2024, als ich ja auch hier in der Gegend war (nur ein paar Kilometer westlich in Glatz).

Die Linie am Haus rechts, wo der Verputz fehlt, zeigt den Wasserstand, den die Flutwelle nach den enormen Regenfällen im September 2024 erreicht hat. Ziegenhals liegt an der Biele (Biała Głuchołaska), die aus dem Altvatergebirge kommt, wo damals das Zentrum des Regengebietes war. Es war hier zwar nicht ganz so schlimm wie im Ahrtal, aber definitiv schlimm genug. Ich habe damals den Urlaub abgebrochen, was goldrichtig war mit Blick darauf, wie die Städte am Nordrand der Sudeten danach aussahen und wie zum Beispiel Ziegenhals noch heute, fast zwei Jahre später, zumindest stellenweise aussieht. Die Hauptstraße durch die Stadt ist immer noch Baustelle und eine sehr staubige Angelegenheit. Die meisten Häuser sind aber inzwischen schon wieder restauriert.

Auch die Brücke über die Biele wurde damals zerstört. Inzwischen ist die neue Brücke fast fertig (im Hintergrund).

Der gesamte Verkehr lief im Juni 2026 immer noch über eine Behelfsbrücke aus Stahl, aber inzwischen (der Beitrag erscheint ja etwa sechs Wochen nach der Reise) ist die neue Brücke schon dem Verkehr übergeben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert