Carrickfergus

“I wish I was in Carrickfergus” ist die erste Liedzeile von “Carrickfergus”, einem der schönsten irischen Lieder. Der Reisehase braucht heute jedenfalls nicht den im Lied besungenen “handsome boatsman”, um in die Stadt zu kommen, und “swim over the deepest ocean” ist auch nicht nötig.

Aber wenn man das Lied hört und nicht in Irland ist, versteht man sie schon, diese Sehnsucht nach dieser Insel, die das Grundthema des Liedes ist. Warum ausgerechnet Carrickfergus, das ist nicht richtig zu klären. Das Lied stammt nämlich aus der Gegend von Cork und taucht dort schon im 19. Jahrhundert auf. Heute ist Carrickfergus außerdem bekannt für seine Burg, die direkt am Ufer des Belfast Lough steht.

Sie stammt noch aus dem 12. Jahrhundert und wurde unter dem normannischen Adeligen John de Courcy erbaut (der Name ist uns schon mal begegnet, in Dundrum, wo auch eine große Burg am Ufer steht). Obwohl mehrfach belagert, gilt sie heute als eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Burgen Irlands.

Nebenan im Hafen liegen Miss Betsy und Mary Ann noch auf dem Trockenen. Es ist aber ansteigende Flut, und schon wenig später steht das Wasser auch hier wieder im Hafenbecken.

Das wird von zwei Molen umgeben. Die rechte dient offensichtlich als Schiffsablageplatz. Das seltsame Gerüst auf der Mole links ist ein alter Radarturm aus den 60er Jahren, der ganz offensichtlich nicht mehr genutzt wird – aber unter Denkmalschutz steht. Es scheint sich aber auch keiner Gedanken um die Erhaltung oder eine Nachnutzung zu machen, und so rottet der Turm halt vor sich hin. Es gibt nicht mal eine Infotafel. Irgendwie sieht es so aus als hätten sie in Carrickfergus komplett vergessen, daß das Ding da rumsteht,obwohl man es ja eigentlich kaum übersehen kann. Was mach im Bild auch sieht, wenn man ganz genau hinschaut (und ich weiß, daß mindestens zwei Leserinnen das machen): Im Hintergrund in der Mitte erkennt man die gelben Hafenkräne von Harland & Wolff, der Titanic-Werft in Belfast. Die beiden Kräne sind eines der Wahrzeichen von Belfast geworden. Man hat sie Samson und Goliath genannt. Sie sind 90 Meter hoch und auch als Papierbogen-Bausatz in den Souvenirläden zu bekommen.

Neben der Burg und dem Hafen geht die eigentliche Stadt etwas unter; bei der Busreise, die ich 2019 von Belfast aus gemacht hatte, war Carrickfergus nur ein kurzer Photo-Halt für die Burg. Damals hat’s aber auch dermaßen in Strömen geregnet, daß alle nach drei, vier Photos von der Burg wieder zurück in den Bus geflüchtet sind. Carrickfergus hat aber schon noch etwas mehr zu bieten, zum Beispiel eine sehr alte Stadtmauer, eine der ältesten erhaltenen in Irland (was allerdings nicht so schwer ist, weil die meisten Stadtmauern die zahllosen Kriege, Revolten, Aufstände und Heerzüge schlicht nicht überstanden haben).

Das Rathaus, die Town Hall, steht am östlichen Abschluß der High Street, in der es auch das eine oder andere Café gibt.

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