Ouverture: 1806

Tschaikowskis “Ouverture 1812” behandelte den russischen Sieg über Napoleons Armee. Hier, wo ich diese Kurztour eröffne, fand das große Ereignis schon 1806 statt.

In diesem Jahr nämlich errang die französische Armee bei Jena und Auerstedt in den Koalitionskriegen einen entscheidenden Sieg über eine vereinigte Preußisch-Sächsische Armee, deren Befehlshaber Herzog Karl von Braunschweig-Lüneburg  tödlich verwundet wurde. Wer als Sieger aus diesen Schlachten (es waren mehrere) hervorging, sieht man auch in Paris, wo es in bester Lage, an der Place de l’Étoile, eine Avenue d’Iéna gibt…

Für Preußen war diese Niederlage eine historische Zäsur: Scharnhorst und Gneisenau reformierten anschließend die Armee, und unter den von Freiherr vom Stein angestoßenen Reformen wandelte sich das Land zu einem (damals) modernen Staat, inclusive Aufhebung der Leibeigenschaft der Bauern. 

Auerstedt ist ein kleines Dorf nördlich von Jena, am Fuß des Gebirgszugs der Finne. Hier steht ein Schlößchen, das 1806 als preußisches Hauptquartier diente.

Etwas nordwestlich liegt Eckartsberga mit der Ruine der Eckartsburg. 

Dort kann man auf den Turm hinauf und blickt dann über das Schlachtfeld bei Auerstedt.

Außerdem sieht man von oben sehr schön, wie Eckartsberga am Rand des Finne-Höhenzuges liegt, der hier in die landwirtschaftlich genutzten Ebenen übergeht.

Im Burgturm sind einige Fundstücke vom Schlachtfeld ausgestellt. Angesichts der fast 50.000 Opfer, die das Gemetzel forderte, war es vermutlich nicht schwer, da etwas zu finden.

Die schön gelegene Eckartsburg übrigens animierte angeblich Goethe, der natürlich auch hier war (ok, der war eh fast überall), zu einem Gedicht: Der getreue Eckart. Das ist aber ein Themenkreis, der schon aus dem Mittelalter stammt: Es gibt ein Versdrama von Jörg Wickram (“der trew Eckart”) aus der Reformationszeit; Ludwig Tieck verband das Sujet dann in der Zeit der Romantik mit der Tannhäuser-Sage.

Ich hatte ja angekündigt, daß es literarisch wird (als alter Germanist kann ich nicht anders). Mitteldeutschland bietet diesbezüglich aber wirklich viel, und Weimar ist ja auch um die Ecke.

Der Reisehase spielt, obwohl das nun wiederum literarisch überhaupt nicht in die Gegend paßt, derweil lieber Münchhausen:

Auch bei Kapellendorf fand 1806 eine preußisch-französische Schlacht statt, und auch hier steht ein Schloß: Diese hübsche Wasserburg.

Kapellendorf war auch Standort eines Zisterzienserklosters. Eins mehr auf der Liste. ✔? Dazu aber gleich noch mehr.

Saale-Unstrut

Ein langes Wochenende: Da kann ich einfach nicht zuhause bleiben… Letztes Jahr war ich am Fronleichnams-Wochenende in Vorarlberg, dieses Jahr geht’s in eine andere Richtung: Ins nördliche Thüringen und ins südliche Sachsen-Anhalt, “an der Saale hellem Strande”. 

Der übrigens gar nicht überall so hell ist, wie er in dem bekannten Volkslied besungen wird. Hier bei Naumburg (s.o.) jedenfalls nicht.

Nochmal in die Berge, das wollte ich den Lesern mit Abneigung gegen Hochgebirge nicht schon wieder zumuten. ? Abneigungen gegen Literatur oder moderne Architektur sollte man als Leser dieses Blogs bei dem Reiseplan für die kommenden fünf Tage allerdings auch nicht haben, so viel kann ich schon mal vorausschicken. 

Und kulinarisch? Naja, da bietet sich an Saale und Unstrut ja das hier an:

Ein Grauburgunder aus Freyburg (Unstrut). Santé. ? On y va!