Oberdrauburg und Dellach

An der Drau war ich letztes Jahr schon während der Steiermark-Tour. Hier im westlichen Kärnten ist man näher an der Quelle, die knapp hinter der italienischen Grenze in Südtirol liegt. Einigermaßen viel Wasser führt der Fluß aber auch schon hier in seinem Oberlaif bei Dellach:

In Dellach steht die spätbarocke Margarethenkirche.

Zur Gemeinde Dellach gehört auch Holztratten (wieder so ein schöner Name. Es gibt auch Eisentratten, und gleich mehrfach Tratten ohne irgendwas davor. Nur leider kein Flattertratten). Hier dient ein alter Bergwerksstollen als Heilklimastollen bei Atemwegserkrankungen.

Oberdrauburg ist ein kleiner Ort mit nur gut 1200 Einwohnern, aber hübschem Zentrum.

Von hier aus geht es nach Süden in Richtung Plöckenpaß, der über die Karnischen Alpen hinüber ins italienische Friaul führt. Doch zunächst muß man vom Drautal ins Gailtal wechseln, wozu die Gailtalstraße über den Gailbergsattel (981m) dient. Diese macht trotz der recht geringen Scheitelhöhe auch, was man von einer richtigen Paßstraße erwartet: Kurven. 

Die Straße führt nach Kötschach-Mauthen im Gailtal, wo dann der eigentliche Plöckenpaß beginnt, aber auch Straßen das Gailtal hinab und hinauf ins Lesachtal abzweigen.

Die Gail ist übrigens ein Nebenfluß der Drau, und alle Namenswitzchen bzgl. Gailtal etc. sind bestimmt bereits häufig genug gemacht worden. Die Gailtalerin spielt auch eine wesentliche Rolle in Wolfgang Ambros’ “Der Watzmann ruft”.

Zur Roaner-Alm

Juhu, schon wieder Wandertag! Der Wanderhase will sich nicht bremsen lassen.

Et encore une journée de la Randonnée! Le Lapin Randonneur n’a pas encore assez.

Vom Iselsbergpaß (genauer: vom Gasthaus Schöne Aussicht etwas oberhalb der Paßhöhe) geht es hinauf bis zur Roaner Alm (1905m). Der Rückweg führt über die Winklerner Hütte und St. Benedikt.

Statistik: 16,81km in 3:19,04h. Höhenmeter: 1695 laut App (offensichtlich ein ziemlicher Quatsch), ca. 650 (realistische Schätzung).

Im Aufstieg bieten sich immer wieder schöne Aussichten, vor allem auf die Lienzer Dolomiten.

Nach knapp 1:20h ist die Roaner Alm erreicht.

Der Rückweg verläuft weiter östlich; von hier aus sieht man hinunter ins Obere Mölltal, wo sich die südliche Auffahrt der Großglocknerstraße befindet.

Nach längerem steilen Abstieg durch dichte Nadelwälder erreicht man die hübsche Kirche von St. Benedikt:

An der Südflanke der Schobergruppe führt der Weg dann zurück zur Schönen Aussicht. Mit Blick auf Winklern und das Mölltal sowie die Berge der Sadniggruppe links dahinter und der noch größtenteils schneebedeckten Kreuzeckgruppe rechts im Hintergrund.

Il faut imaginer le Lapin Voyageur heureux.

Felbertauernstraße

Die Felbertauernstraße ist seit 50 Jahren eine wichtige Querung des Alpenhauptkammes. Sie verbindet Mittersill im Norden mit Lienz im Süden, also den salzburgischen Oberpinzgau mit Osttirol. Außerdem ist sie eine der schönsten Gebirgsstraßen Österreichs. Hier die Südrampe direkt unterhalb des Tunnelportals:

Und die Nordseite mit Blickrichtung Mittersill:

Der Übergang über die Felber Tauern ist deutlich älter als die 50 Jahre alte Straße: Schon zur Römerzeit verlief hier eine rege genutzte Nord-Süd-Verbindung. Der Weg über die Felber Tauern mit seiner Paßhöhe in 2460m Höhe existiert noch heute, ist allerdings keine Straßenverbindung, sondern lediglich der uralte Saumpfad.

Die Straße, die auf Salzburger Seite durch das Amertal hinaufführt, geht stattdessen auf einer Scheitelhöhe von 1652m durch den Berg hindurch, durch den 5,2km langen Felbertauerntunnel.

Das Nordportal befindet sich in 1607m Höhe; im (schnurgeraden) Tunnel geht es also stetig leicht bergauf.

Am Südportal auf 1632m Höhe: 

Hier befindet sich auch die Mautstation (11€). Das große Relief über dem Südportal erinnert an den Bau des Tunnels. 

Der Straßenbau und die Tunnelbohrung begannen 1962. 1964 war der Tunneldurchstoß, 1966 fuhr erstmals ein Kraftfahrzeug durch den Tunnel (laut alten Photos ein VW-Bus), 1967 war dann die Freigabe für den allgemeinen Verkehr.

Daß die Straße in schwierigem Terrain erbaut wurde, deuten nicht nur die zahlreichen Lawinengalerien an, die man passiert. Deutlich wurde das vor allem im Mai 2013: Nach einem Felssturz war auf der südlichen Zufahrt ein Teil der Strecke zerstört und die Straße bis zum Bau einer Ersatzstrecke unpassierbar. Nach einigen Wochen war eine provisorische Umfahrung fertiggestellt. Die alte Trasse konnte aber nicht wiederhergestellt werden, daher wurde bis 2015 eine neue Trasse gebaut.

Etwas südlich des Südportals liegt Matrei in Osttirol (es gibt noch ein Matrei am Brenner – die treuen Hasenblog-Leser werden sich erinnern). Der Ort ist mit gut 4.700 Einwohnern nach der Bezirkshauptstadt Lienz der zweitgrößte Ort Osttirols.

Felbertal

Am Tag nach einer langen Wandertour ist was wohl der erste Punkt auf dem Tagesprogramm? Genau: Eine Wanderung.

Allerdings deutlich moderater als gestern: 9,63km in 1:56,38h. 248 Höhenmeter.

Es geht zunächst durch die Schößwendklamm und dann am alten (um 1200 von den Salzburger Fürstbischöfen erbauten) Tauernhaus Spital vorbei zum Hintersee.

Dieser liegt am Ende des Felbertals, das den Felber Tauern ihren Namen gegeben hat. Der Hintersee entstand 1495 durch einen gewaltigen Felssturz. Er liegt in einem Talkessel und ist umgeben von den Gipfeln der Hohen Tauern, die heute aber nur zwischendurch mal aus den Wolken herausschauen. Bei klarem Himmel würde man z.B. den Tauernkogel sehen können, einen 2988m hohen Gipfel der Venedigergruppe. Hier links oben nicht im Bild:

Der Wanderweg durch das Tal ist teotz der Wolken sehr schön. Er führt am Felber Bach entlang durch Wiesen und über Bäche, was hin und wieder gar nicht so einfach ist, weil die Bäche aktuell sehr viel Wasser führen. Da ist Hüpfen angesagt.

Im unteren Teil des Tals bildet der Felber Bach die Schößwendklamm.

Weitere Eindrücke aus dem Felbertal:

Von Piesendorf zur Schmittenhöhe

Tag 15: Wandertag.

Die Statistik: 21,81km in 4:25h (6:25h incl. Pausen). 1182 Höhenmeter.

Die Wanderung beginnt in Piesendorf (785m) und geht von dort aus stetig und auch recht steil nach oben bis zur Pinzgauer Hütte auf 1705m. Wenn man dort angekommen ist, kann man definitiv eine Pause vertragen (Gehzeit: 1:41h).

Die Ausblicke während des Aufstiegs lohnen die Anstrengung aber. Man blickt über Piesendorf, das Tal der Salzach und die Hohen Tauern und könnte (ohne Wolken) auch den Großglockner sehen.

Es geht aber nicht nur über spitze Kiesel (cailloux pointus), über die sich Milou auch hier ärgern könnte, sondern auch vorbei an kleinen Wasserfällen…

…und später an Resten des vergangenen Winters.

Von der Pinzgauer Hütte führt der Weg dann hinüber zur 1965m hohen Schmittenhöhe. 

Der Berg war schon früh ein Ziel für Ausflügler; hier gab es z.B. die erste Seilbahn im Land Salzburg (1927). Heute führen mehrere Seilbahnen und Sessellifte auf den Gipfel, der außerdem mit Bars und Almen auf Après-Ski-Aktivitäten ausgerichtet ist. Die Skisaison ist natürlich jetzt vorbei, aber da die Seilbahn von Zell am See in Betrieb ist, ist hier oben trotzdem viel los.

Der Aufstieg hat sich aber gelohnt: Der Blick geht einmal rund, auch hinunter nach Zell am See.

Blickrichtung Saalfelden am Steinernen Meer:

Blickrichtung Hohe Tauern:

Zurück geht’s zunächst auf einem Fahrweg und dann auf schmalen und steilen, aber schönen Pfaden durch die Wälder, die so unterschiedlich wirken können.

Beim Abstieg liegt dann wieder das Salzach-Tal im Blick, mit Bruck (am nördlichen Ende der Großglockner-Straße) (im Bild hinten links) sowie in der Bildmitte Kaprun. Der Name ist bekannt, wenn auch leider aus traurigem Anlaß: 2000 kamen im Tunnel der Gletscherbahn zum Kitzsteinhorn bei einem Brand 155 Menschen ums Leben…

Blick in die andere Richtung (nach Westen) ins Tal der Salzach.

Zwischendurch ist dann aber doch mal eine Rast nötig. Und wenn es schon so einladend wirkt…

Über Wengerberg führt der Weg dann zurück nach Piesendorf. 20 Minuten nach der Ankunft im Gasthof kommt der große Regen; die Wolken waren gegen Ende schon bedrohlich geworden. Alles richtig gemacht also. ?

Kufstein

Und jetzt alle: “Kennst Du die Perle / die Perle Tirols / das Städtchen Kufstein…”

Das Kufsteinlied gehört wohl zu den bekanntesten Volksliedern und ist so etwas wie eine heimliche Hymne Tirols geworden. 1947 von Karl Ganzer (aus Brixlegg im Inntal) komponiert, war es 1968 in einer Aufnahme von Franzl Lang (einem Münchener) ein Riesenerfolg und verkaufte sich (in zahlreichen Aufnahmen unterschiedlicher Interpreten) mehr als hundert Millionen mal. Hui. 

Hollädiri diri diri…

Ok, das ist natürlich keine Musik, die man in unserer Generation hört, aber es ist zumindest noch ein echtes Volkslied und aus einer Zeit, bevor das Volkslied mit dem Schlager zwangsfusioniert wurde und von Rex Gildo, Tony Marschall, Hansi Hinterseer sowie diversen Dirndl-Mutanten in den Abgrund der Unerträglichkeit gerissen wurde.

Äh, wo war ich? Ach ja, Kufstein. 

Die Stadt, deutlich kleiner als ich es erwartet hätte, liegt am Inn unterhalb der Festung. Mit seiner Grenzlage zwischen Bayern und dem seit 1363 habsburgischen Tirol war Kufstein stets ein Zankapfel zwischen beiden Nachbarn und häufig heftig umkämpft. Die Bayern bauten im 15. Jh. die Festung aus, aber 1506 verloren die Bayern Kufstein nach einer Belagerung endgültig an Tirol; Burgkommandant Hans von Pienzenau, der den Habsburger Maximilian durch sein Überlaufen zu den Bayern verärgert hatte, verlor seinen Kopf (ebenfalls endgültig).

Ob Kufstein nun wirklich die Perle Tirols ist? Das würde ich eher bezweifeln; es gab deutlich schönere Städte (Hall, Rattenberg). Aber die Lage im Inntal ist schön, und die Altstadt hat ein paar hübsche Ecken. Zentraler Ort ist der langgestreckte Stadtplatz mit dem Rathaus und dem Marienbrunnen. 

Direkt unterhalb erinnert die kleine Gasse Auracher Löchl mit ihren Weinhäusern etwas fatal an Rüdesheims Drosselgasse im Rheingau.

Kaisergebirge

Das Kaisergebirge ist ein ziemlich einzeln stehender Gebirgsstock nordwestlich von Kitzbühel. Es gliedert sich in den etwas bekannteren Wilden Kaiser und den, na klar, Zahmen Kaiser, dessen Gipfel nicht ganz so hoch sind.

Ich lasse das Kaisergebirge mal von Matthias Burgklehners beschreiben, wie er in der Wikipedia zitiert wird: „Es ist in der Herrschaft Khueffstein der Kayser, ein sehr hoches Gepürg, so einer kaiserlichen Cron gleich ist, seiner vilfeltigen Zinggen halber, dann auch, dass er in der Heche vil Meils Wegs weit, als ob er rund und gekrönt ware, gesehen wird.“ (1611)

Hach, die deutsche Sprache kann so schön sein.

In Going (ja, das heißt wirklich so) habe ich dann gemerkt, daß ich mich schlecht auf diese Etappe vorbereitet habe. Hier wird nämlich, wie ich erfahren habe, die Fernsehserie “Der Bergdoktor” gedreht, die mir bis heute nicht bekannt war. Anderen aber wohl schon; zumindest lockt die Serie Besucher nach Going, die sich dann begeistert zeigen, daß es hier “wirklich so aussieht”.

Es gibt sogar einen Info-Pavillon mit einem Aufsteller von jemand, die offenbar Teil der Serie, aber ebenso offenbar nicht der Bergdoktor selbst ist.

Unabhängig davon liegt Going sehr schön im Tiroler Unterland am Fuß des Wilden Kaisers und bietet ein tolles Panorama des Gebirgszuges.

Kitzbühel

Da hatte ich mir auf dem Weg nach Kitzbühel schon einen schönen Läster-Artikel vorformuliert, über Protz, Pomp und Pseudo-Glamour, und dann entpuppt sich die Altstadt des Städtchens mit den farbenfrohen Fassaden als ausgesprochen hübsch und überraschend ruhig und dezent.

Natürlich ist die Dichte an Porsches und absurd überdimensionierten Mercedes- und Audi-SUVs hier noch deutlich höher als im firmenwagen-verwöhnten Walldorf. Und an der einen oder anderen Stelle versucht der Ort auch explizit, sehr mondän zu sein. Aber vermutlich zeigt sich die ganze Bussi-Bussi-Gesellschaft wirklich nur im Januar zum Hahnenkamm-Skirennen, und anschließend zieht die Bagage dann weiter, nach St. Moritz oder so.

Man vergißt bei dem Terz um “Kitz” nämlich auch gerne, daß es sich um eine alte Stadt handelt, die schon 1271 das Stadtrecht erhielt, später ein wichtiger Marktort war und auch Silbererze abbaute, wie der Eingang zum Johann-Anton-Stollen beweist.

Außerdem finden sich hier auch Bauten der klassischen Moderne, unter anderem von Architekten wie Clemens Holzmeister. Neben diesen sowie den hübschen bunten Häusern in der Hauptstraße ist auch die Stadtpfarrkirche sehenswert, die auf einem Felsen über den Häusern thront. 

Auf dem sie umgebenden Friedhof ist Ski-Legende Toni Sailer (1935-2009) begraben, der das Hahnenkamm-Rennen zweimal gewinnen konnte und überdies noch dreifacher Olympiasieger und siebenfacher Weltmeister war.

Das Rennen, traditionell im Januar, gilt als einer der Höhepunkte der Skisaison, und die “Streif”, wie die Piste auch genannt wird, ist eine der schwierigsten und gefährlichsten, aber auch spektakulärsten Strecken im alpinen Skisport, mit Gefälle von bis zu 85% und Sprüngen um die 80 Meter.

An der Talstation der Hahnenkammbahn steht ein Denkmal für dieses Skirennen.

Mittersill

Die gut 5.000 Einwohner zählende Stadt liegt an einem zentralen Verkehrsknotenpunkt: Mitten im ost-westlich verlaufenden Tal der Salzach gelegen, führen von hier der Paß Thurn nach Norden (Richtung Kitzbühel) und die Felbertauernstraße nach Süden (Richtung Osttirol).

Das Stadtzentrum gruppiert sich um die Pfarrkirche:

Schön gelegen ist das Hohe-Tauern-Stadion mit seiner hübschen Holztribüne.

Aus dem Felbertal kommt der Felber Bach, der in Mittersill in die Salzach mündet. Und über den Hohen Tauern braut sich etwas zusammen.

Am Ortsrand hat man ein modernes Nationalpark-Zentrum gebaut, mit Ausstellungen und Informationen: Mittersill liegt am Nordrand des Nationalparks Hohe Tauern.

Direkt daneben ist der kleine Dorfteich.

Krimmler Wasserfälle

An der Gerlosstraße liegen die Krimmler Wasserfälle, die mit einer Höhe von 385 Metern (in allerdings mehreren Kaskaden) zu den höchsten Wasserfällen Mitteleuropas zählen.

Den Stuibenfall drüben in Tirol fand ich allerdings etwas beeindruckender, was aber auch damit zusammenhängen kann, daß hier bei Krimml ganz schöner Trubel herrscht. Ein paar Andenkenbuden weniger würden dem Gesamteindruck sicher nicht schaden. Und man kassiert hier gut ab (erst fürs Parken, dann für den Zugang zum Wasserfall; angerechnet würde das Parken nur auf eine Ausstellung, die dann aber auch wieder extra kosten würde).

Nach Pasdieren der Kassa kommt man zunächst an den Unteren Fall und wird dabei hübsch naß. 

Der Hauptweg, der in Serpentinen am Berghang neben den Wasserfällen hinaufführt, ist breit, gut ausgebaut und stark frequentiert. Da er aber auch stellenweise ziemlich steil ist, nimmt der Trubel analog zur Kondition der Besucher von Kurve zu Kurve ab.

Und es gibt durchaus einige sehr schöne Aussichtspunkte. 

Im Bereich des Mittleren Falles:

Die Krimmler Ache oberhalb des Mittleren Falles:

Weiter oberhalb und etwas zurückgesetzt folgt noch der dritte Wasserfall, korrekterweise als “Oberer Fall” bezeichnet. 

Reisehase, rebellisch.

Für den Rückweg wähle ich einen Weg auf der anderen Seite der Fälle, der anfangs nur unscheinbar ausgeschildert ist und deshalb von kaum jemand begangen wird. Der Alte Tauernweg ist aber ein schon von Kelten und Römern genutzter Alpenübergang. Und es ist ein wunderschöner Saumpfad, der am Rand der Wasserfälle durch die Wälder hinab führt.

Statistik: 7,21km in 1:34h. Ca. 290 Höhenmeter. 9€ (+9,50€ Maut bei Anfahrt aus dem Zillertal).