Wolfsburg

Nach Wolfsburg? Echt jetzt? Die allgemeine Reaktion, als ich sage, daß ich dorthin fahre, ist Naserümpfen: Macht keiner, außer zum Autoabholen. Und der ICE brettert ja auch ständig durch, ohne anzuhalten.

So viel Ablehnung reizt mich ja eher, und ich gehe ja auch gerne in Städten wie Marl oder Oberhausen, die nicht gerade unter Touristenmassen leiden, auf Entdeckungstour. Heidelberg hübsch finden kann ja jeder.

Also per ICE nach WOB, zwei Tage nach Sturm Friederike. Leben am Limit.

Überraschung 1: Der ICE, auf sturmgebeutelter Trasse mit nur wenig Verspätung, hält in Wolfsburg. Juhu!

Überraschung 2: Rund um Schloß Wolfsburg ist es recht idyllisch:

Das Renaissanceschloß, das der Stadt ihren Namen gab, steht unweit des VW-Werks in einem Park, in dem mehrere Großplastiken schöne Photospielereien ermöglichen.

Aber natürlich ist Wolfsburg in erster Linie eine Industriestadt. Entstanden ab 1938 unter dem Namen “Stadt des KdF-Wagens” in infrastrukturseitig günstiger Lage am Mittellandkanal, wuchs die neue Stadt um das riesige Automobilwerk. Und das ist mit seinen vier hohen Schornsteinen natürlich noch heute das Wahrzeichen der Stadt.

Daneben baute man vor einigen Jahren die moderne “Autostadt”, ein Themenpark rund um VW mit verschiedenen Präsentationspavillons. Hier wäre dann auch die Anlaufstelle fürs Autoabholen. Ich bleibe aber bei meinem Schwedenmöbel.

Natürlich darf man in der Innenstadt weder ein Fachwerkidyll noch einen gotischen Dom noch Burgenromantik erwarten; das neue Zentrum der neuen Planstadt entstand erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

Wer Spaß an moderner Architektur hat, wird hier aber fündig und sieht durchaus Außergewöhnliches. Zum Beispiel das “Phaeno” von Zaha Hadid (2005), ein interaktives naturwissenschaftliches Museum.

Aus den 50ern stammt das Rathaus (Entwurf von Titus Taeschner, von dem auch der Plan der Nachkriegsstadt stammt):

Und modern ist auch das Kunstmuseum von 1995:

Stade

Von Buxtehude aus sind’s nur 20 Bahnminuten bis Stade (allerdings nur hin – zurück waren’s dank einer Betriebsstörung dann 60). Die Stadt kommt ohne Hase und Igel aus und hat dann auch noch das Pech, für ein inzwischen abgewickeltes und rückgebautes Kernkraftwerk bekannt zu sein. Unfair wäre es, die Stadt darauf zu reduzieren, denn die von den Flußarmen der schiffbar gemachten Schwinge umgebene Altstadt ist richtig hübsch.

Stade ist eine alte Hansestadt, was man an den alten Kontoren, den innerstädtischen Häfen, Straßennamen wie Salzstraße und überhaupt einer gewissen Ähnlichkeit mit Lüneburg erkennen kann. Und auch die kulinarische Komponente ist präsent.

Buxtehude

Ick bün al dor.

Buxtehude, hübsche Kleinstadt südwestlich von Hamburg, war Austragungsort eines bedeutenden Ereignisses, dem heute ein Denkmal gesetzt ist:

Hier fand nämlich der Wettlauf von Hase und Igel statt. Die Überlieferung in der Grimm’schen Form zweifle ich allerdings an, denn da ist der Hase als ziemlich arroganter und ein wenig doofer Geselle geschildert, was natürlich nicht der Realität entsprechen kann. Der Reisehase glaubt diese Version jedenfalls nicht. Und die Igel sind ja auch nicht ganz fair.

In der Stadt kann man Hase und Igel dennoch an allen Ecken und Enden finden.

Ganz meine Stadt also. Und auch sonst lohnt die Altstadt einen Besuch. Hier das Rathaus.

Braunschweig

Das Posting kommt mit etwas Verspätung, weil ich etwas malad durch den letzten  Reisetag gegangen bin. Die aufziehende Erkältung hält mich aber weder von Besichtigungen noch vom Stadionbesuch ab.

BS bietet u.a. die Burg Dankwarderode, die Herzogsresidenz der Welfen. Der Bau, wie er sich heute präsentiert, ist allerdings eine Rekonstruktion aus dem Historismus, garniert mit einer gewissen Prise Phantasie.

Wer Spaß an monumentalen Baustellen hat, kriegt in Braunschweig gerade viel geboten. Während sie in Karlsruhe nur die halbe Innenstadt tieferlegen, ist in BS offenbar das bisherige Straßennetz nicht mehr genehm und wird gerade durch ein neues ersetzt. So fühlt es sich zumindest an, wenn man sich durch die Stadt zum Kloster Riddagshausen durchkämpft. Was sich aber lohnt:

Und abends gibt’s dann noch das Eintracht-Stadion an der Hamburger Straße, dortselbst ein 1:0 über die Pfälzer, und ich lerne aus den Fangesängen einiges über innerfamiliäre Fortpflanzung in Hannover. 😉 (Anm. für Fußball-Legastheniker: Braunschweig- und Hannover-Anhänger haben sich nicht so besonders lieb).