Im Tal der Cère

Beginn und Abschluß der Tour durch das Zentralmassiv liegen in der südlichen Auvergne. Gestartet sind wir in Saint-Flour, und nun sind wir wieder in derselben Region, nur etwas weiter westlich. Die Cère ist ein Nebenfluß der Dordogne und bildet in den südlichen Monts de Cantal ein wichtiges Quertal, das in der generell eher schlecht angebundenen Bergregion eine wichtige Verkehrsverbindung darstellt. Die gut ausgebaute Route Nationale 122 verbindet Massiac (und die Autobahn 75) mit Aurillac in der südlichen Auvergne und Figeac im Lot-Tal. Und auch die Eisenbahn fährt hier (Strecke Figeac – Arvant). Trotzdem ist auch das Cère-Tal landschaftlich reizvoll.

Direkt an der N 122 zum Beispiel kann man an einem Wanderparkplatz eine kurze Wanderung zur Cère-Schlucht antreten, zum Pas de Cère. Zunächst hat man nur ein paar Schritte zu absolvieren, um von einer Aussichtsplattform einen guten Blick von oben auf diese durch vulkanische Tätigkeit entstandene Schlucht zu haben. Die ganz Gehfaulen können die Schlucht damit als besichtigt abhaken.

Aber natürlich lohnt es sich, bis zum Talgrund hinabzusteigen.

Dort unten macht sich auch der graue Himmel nicht so bemerkbar, den es am heutigen Morgen überhaupt zum ersten Mal auf dieser Reise gibt (sieht man von den paar kurzen Regenschauern am späten Nachmittag in Béziers ab). Die grauen Wolken und der Hochneben passen aber eigentlich recht gut zu den meist aus grauen oder graubraunen Steinen errichteten Gebäuden in den Orten des Cantal. Wie hier in Vic-sur-Cère.

Straße und Bahnstrecke überwinden die Paßhöhe nahe der Quelle der Cère jeweils in einem Scheiteltunnel. Hier oben liegt Le Lioran, ein typischer französischer Wintersportort: Kein altes Bergdorf mit pittoresken Holzhäusern, sondern eine als Skistation planmäßig angelegte Ansammlung von Liftanlagen, Gondelbahnen, Chaletsiedlungen und größeren Hotelanlagen. Von hier kann man zum Beispiel zum Plomb du Cantal auf 1855m Höhe hinauffahren. Allerdings nur bis Mitte September, dann ist Ende der Sommersaison und die Bergbahn steht still. Ok, heute wäre die Fahrt auf den Berg und mitten hinein in den Nebel ohnehin sinnlos. Weil auch nahezu alle anderen Einrichtungen geschlossen sind, ist Le Lioran ausgestorben bis auf ein paar vereinzelte Wanderer und auf diejenigen, die die Wintersaison vorbereiten müssen. Kurz zusammengefaßt: Eine echte Sehenswürdigkeit ist der Ort nicht, und das liegt ganz sicher nicht daran, daß hier noch der Hochnebel über den Häusern hängt.

Die Paßhöhe in Le Lioran ist heute aber so etwas wie eine Wetterscheide, denn ein paar Kilometer östlich, in Murat, ist schon keine Wolke mehr am Himmel zu sehen. Murat liegt mitten in den Monts du Cantal und hat mit dem Rocher de Bonnevie und weiteren Basaltfelsen, die den Ort überragen, gleich mehrere sichtbare Zeugen für die vulkanische Tätigkeit, die die Region geformt hat.

In der kleinen Altstadt am Berghang gibt es noch zahlreiche alte Häuser wie die Maison de la Faune, hier links im Bild hinter dem Haus mit den grünen Fensterläden und der akkuraten, wie mit dem Lineal gezogenen Hauskante.

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