Der Ort mit dem sehr wohlklingenden Namen ist zwar nicht sonderlich groß (und verfehlt seit ein paar Jahren sogar die Marke von 1.000 Einwohnern), liegt aber sehr markant, nämlich an der Mündung der Truyère in den Lot. An einem Aussichtspunkt läßt man gar keine Zweifel daran, was man von hier aus sehen kann.

Der hübsche Ortsname bedeutet wörtlich „zwischen den Wassern“ (inter aquas -> entre eaux -> entre aigues) und bezieht sich natürlich auf die Flußmündung. Deren Definition ich übrigens unfair finde, denn eigentlich ist die Truyère an ihrer Mündung breiter als der Lot, führt deutlich mehr Wasser als dieser und fließt zudem geradeaus; der Lot hingegen macht eigentlich einen 90-Grad-Knick. Warum man das so definiert hat, daß der Lot gewinnt, weiß ich nicht. Vielleicht, weil er an dieser Stelle schon einen etwas längeren Weg hinter sich hat als die Truyère. Ich finde trotzdem, der Fluß sollte im weiteren Verlauf eigentlich Truyère heißen. So wie die Elbe ab Mělník und also in Dresden, Magdeburg und Hamburg eigentlich Moldau heißen müßte. Hier jedenfalls kommt die Truyère von rechts (im Schatten des Berghanges) und der Lot von links.

In Entraygues führt noch eine letzte Brücke über die Truyère. Eine andere Truyère-Brücke haben wir zu Beginn der Reise schon gesehen: Das Viaduc de Garabit, dem wir uns hier schon wieder bis auf 60 Kilometer Luftlinie genähert haben.

Blick auf die Truyère und Entraygues:

Der Ort hat einen hübschen Kern mit alten Häusern und vielen schönen Bildmotiven.




Und auf einem Platz kann man den Einheimischen bei einem Ballspiel zuschauen, das eigentlich weiter südwestlich zuhause ist (in der Gascogne), aber offensichtlich auch hier im Département Aveyron gespielt wird: Quilles. Das ist eine Art Kegeln, bei dem Holzstäbe umgeworfen werden müssen, wobei die Spieler sowohl einen Holzstab als auch eine große Holzkugel werfen; der Stab wird dabei direkt nicht mit der Hand, sondern mit der Kugel in Richtung der Kegel geworfen. Also so:

Die Kugel wird dann im zweiten Durchgang hinterhergeworfen. Das Ganze sieht sehr kompliziert aus und erfordert vermutlich ziemlich viel Übung. Der Tourist kann nur danebenstehen, staunen und fasziniert sein. Quilles gehört inzwischen zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.