In Drogheda war ich 2024 schon einmal und habe da schon einen ziemlich umfangreichen Artikel geschrieben. Jetzt bin ich, in erster Linie nicht als Tourist, für zwei Wochen hier, und so kann ich nun wieder einen langen Artikel schreiben. Beim Stadtbesuch vor zwei Jahren war es ja ziemlich grau, aber jetzt ist genügend Zeit, auf blauen Himmel zu warten, und dann wirkt so eine Stadt natürlich gleich ganz anders.

Es ist aber März, und es ist Irland. Das Wetter wechselt also im Halbstundentakt zwischen Regenschauer und Sonne. Konstant ist nur der starke, teils stürmische Wind. Der Reisehase bleibt daher erstmal an sicheren Orten, damit er nicht davongeweht wird. Er wird aber später noch auf den Photos auftauchen, keine Sorge.
Drogheda liegt am River Boyne, der hier kurz vor seiner Mündung in die Irische See schon recht breit ist.


Eines der Wahrzeichen Droghedas ist das Eisenbahnviadukt über den Boyne. Als es im Jahr 1855 fertiggestellt war, konnten die Züge von Dublin bis Belfast durchfahren. Vorher war auf beiden Seiten des Flusses jeweils Ende der Fahrt.

2024 lag am Flußufer mitten in der Stadt noch die Hebble Sand, ein ziemlich heruntergekommenes Schiff, für das sich niemand so richtig zuständig fühlte. So sah das aus:

Letztes Jahr haben sie es dann aber aus der Stadt geschleppt, und nun wird es wohl irgendwo abgewrackt. Die Städter wird’s freuen, der Photograph in mir vermißt ein lohnendes Motiv an der nun leeren Kaimauer rechts.

Neben den Kaimauern, an denen früher zahlreiche Handelsschiffe lagen (ein Pub in der Nähe heißt standesgemäß “The Mariner”) führt diese moderne Brücke über den Boyne.

Die Brücke läuft direkt auf das Scotch Hall Shopping Centre zu, eine Einkaufspassage, die recht gut besucht ist, aber vor allem im Obergeschoß auch einiges an Leerstand hat. Aber es sieht dort immer noch besser aus als in der Town Centre Passage, wo fast die Hälfte der Flächen aktuell nicht belegt ist. Und vom Abbey Shopping Centre an der West Street (der Hauptstraße durchs Zentrum) reden wir mal besser gar nicht. 1973 eröffnet, vor ein paar Jahren geschlossen. Aktuell wird über Abriß oder Sanierung diskutiert.

Überhaupt ist Drogheda natürlich keine Touristen-Hochburg, sondern eher etwas rauh und spröde und zumindest nicht auf Hochglanz poliert. Aber genau deshalb wollte ich für die zwei Wochen hierher und nicht zum Beispiel nach Killarney oder Dún Laoghaire. Und es gibt sehr nette Ecken, weil das Abbey Shopping Centre natürlich nicht der Normalfall ist. Gleich daneben zum Beispiel an den Ruinen der namensgebenden Old Abbey sind die Gebäude restauriert, bieten Büroflächen und Coworking Areas und an den Außenwänden auch noch schöne Wandgemälde.

Und es gibt sogar Bildmotive wie dieses:

Den Kollegen hatte ich natürlich vor zwei Jahren schon entdeckt, und nun führte der erste Weg in der Stadt mich direkt wieder zur Dominic Street. Ein Fest für Reisehasen!

Südlich des Flusses steht auf einem Hügel der Millmount Tower, ein alter Wachturm, der im irischen Bürgerkrieg 1922 zusammengeschossen wurde und anschließend wiederaufgebaut werden mußte.

Das erfährt man im Drogheda Museum, das nebenan untergebracht ist. Der – nicht unbedingt günstige (8€) – Eintritt ins Museum umfaßt nicht nur die sehenswerte Ausstellung, sondern auch eine Führung durch den Millmount Tower, wo es ein Militärmuseum gibt, mit Waffen aus verschiedenen Epochen, Dokumenten und einem großen Modell der Schlacht von Waterloo, die mit Drogheda nur sehr indirekt was zu tun hat: Die Familie des Duke of Wellington, der die britischen Truppen in Waterloo anführte, residierte auf Dangan Castle, was gar nicht so weit weg ist. Wellington, der aus britischer Sicht als Held von Waterloo gilt (während der nicht ganz unbeteiligte Blücher mit seinen preußischen Truppen gern mal übersehen wird), stammte also aus der Nähe und wird daher hier sofort als Ire eingebürgert.

Vom Turm hat man eine schöne Sicht auf die Innenstadt. Zumindest kurz, denn bei dem starken, kalten Wind hält man es da oben nicht lange aus. Und der Guide (auf den Turm kommt man nur per Führung), der wohl vorher schon mehrere Gruppen mit insgesamt 80 spanischen Studenten hier durchgeführt hat, will offensichtlich schnell raus aus dem Wind.

Der Turm, erzählt später der Inhaber meines B&B hier in Drogheda, war übrigens britische Garnison bis zur Gründung des irischen Freistaates. Und schiebt dann mit leichtem Lächeln ganz trocken hinterher: “But we got them out.” Sehr schön. 😁 Erin go bragh! 🇮🇪