Gévaudan

Das Gévaudan liegt östlich des kargen und dünn besiedelten Aubrac und ist ebenfalls eine recht dünn besiedelte Bergregion. Nur nicht ganz so karg und unwirtlich, sondern dichter bewaldet. Die alte Grafschaft kam irgendwann im 16. Jahrhundert zum Langedoc und liegt heute im Département Lozère, das zur Region Languedoc-Roussillon gehört (bzw. Okzitanien, wie das riesige Gebilde seit der Gebietsreform heißt und zu dem auch die Region Midi-Pyrénées gehört). Im Gévaudan hält man aber vor allem seine eigene Fahne hoch.

Einen Eindruck von der Landschaft des Gévaudan erhält man im folgenden Bild: Der Ort im Vordergrund ist Le Malzieu-Ville, eine kleine Festungsstadt an der hier noch recht jungen Truyère, in der der Lapin Voyageur passenderweise im Hôtel des Voyageurs untergekommen ist.

Le Malzieu hat heute nur noch 750 Einwohner, war aber mal größer und bedeutender. Das kann man zum Beispiel am Schloß ablesen, dessen rückseitige Mauer einen Teil der Stadtmauer bildet.

Intra muros gibt’s ein Gewirr kleinerer gepflasterter Gassen.

Und man hat im Ort der Bestie des Gévaudan ein Denkmal gesetzt, bzw. dem Kampf gegen das berühmt-berüchtigte Untier. Das hat im 18. Jahrhundert Angst und Schrecken in der Region verbreitet und einige Menschen getötet. Zeitgenössische Quellen sprechen von etwa hundert Opfern. Was die Region damals terrorisierte, ist nicht ganz klar; vermutlich ein großer Wolf, den man erst nach zwei oder drei Jahren und vielen vergeblichen Versuchen erledigen konnte. Auch in Le Malzieu ist die Bestie vom Gévaudan als Wolf dargestellt.

Der Wolf hat aber seine Fans, und weil ja nicht sein kann, was nicht sein darf, würden die gern einen anderen Täter präsentieren. Hypothesen reichen von Hyänen über den Afrikanischen Wildhund bis zur Idee eines Serienmörders, der mit abgerichteten Raubtieren arbeitete. Bis zum Beweis des Gegenteils glaube ich daran aber erstmal nicht und halte andere Theorien (was weiß ich… Godzilla, Aliens, ein schiefgelaufenes Gen-Experiment) für ähnlich wahrscheinlich. Zumal man auch im Gévaudan des 18. Jahrhunderts durchaus in der Lage war, einen Wolf zu erkennen. Also hat hier wohl ein besonders aggressiver und großer Wolf einfach nur Wolfssachen gemacht hat. Viel Spaß, wenn so einer demnächst in Brandenburg sein Unwesen treibt. 😉

In Marvejols, einer anderen Kleinstadt im Gévaudan, hat man das Untier moderner interpretiert. Aber auch als Wolf.

Marvejols ist ähnlich angelegt wie Le Malzieu, nur deutlich größer als dieses. Insgesamt hat die Stadt bloß etwa 4.500 Einwohner, aber das reicht in dieser dünn besiedelten Gegend, um als regionales Zentrum und Hauptort eines Kantons, was in Deutschland ungefähr einem Wahlkreis entspricht.

Ich finde es immer wieder interessant, wie das geht, daß man in jede Richtung alle Geschäfte erreicht.

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