Neisse (Nysa)

Die Kreisstadt Neisse besaß bis 1945 eine der schönsten Innenstädte Schlesiens. Eichendorff beschrieb die Stadt als „wahrhaft paradiesisch“. Leider wurde der größte Teil der Stadt im Krieg zerstört, so daß das Zentrum als Ensemble diese Beschreibung nicht mehr ganz erfüllen kann. Man hat aber auch hier mit großem Aufwand restauriert und wiederaufgebaut, und daher ist unter anderem der langgestreckte Ringplatz, der durch den Rathausblock in zwei Plätze aufgeteilt wird, heute wieder ein echtes Schmuckstück.

Die Nordseite des Platzes markiert die Basilika St. Jakobus und Agnes, mit gotischem Kirchenschiff und einem freistehenden wuchtigen Glockenturm, der ursprünglich viel höher geplant war, aber nie vollendet wurde.

Vor der Kirche stand eine Häuserzeile, die den Krieg nicht überstanden hat und nur noch auf alten Photographien zu sehen ist.

Auch die rechts im Bild zu sehenden Häuser stehen nicht mehr. Sie standen an der Südseite des Rings, wo heute schlichtere Nachkriegsbauten stehen. Hier der Blick von heute durch die Straße in Richtung der Kirche:

Ganz viele Häuserzeilen in der Stadt sind inzwischen wunderbar restauriert. Graffiti-Schmiereien an den Fassaden gibt es so gut wie nicht (und das gilt im übrigen für weite Teile Schlesiens).

Eine sehr schöne Häuserzeile hat sich entlang der Bracka-Straße (früher: Brüderstraße) erhalten, die südlich vom Ring wegführt. Hier stehen auch der Tritonbrunnen (vorne) und die Kirche St. Peter und Paul (hinten), eine von zahlreichen Barockkirchen, die Neisse früher den Beinamen „Schlesisches Rom“ einbrachten.

Ein anderer Brunnen, der Schöne Brunnen von 1686, hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Das Gehäuse aus Gußeisen wurde 1942 eingelagert, ging in den Kriegswirren verloren, wurde in den 60er Jahren wiedergefunden, von Bürgern der Stadt vor der Zerstörung gerettet und danach restauriert und wieder aufgestellt. Er steht heute ein wenig verloren am Straßenrand und preist dennoch das „Belieben eines löblichen Magistrats“ der Stadt und seinen Schöpfer Wilhelm Hellweg.

Das Stadtzentrum von Neisse liegt am südlichen Ufer der Glatzer Neiße, die heute breit, ruhig und friedlich dahinfließt, aber leider auch ganz anders sein kann: Im September 2024, nach den tagelangen Regenfällen, stand auch die Innenstadt von Neisse unter Wasser, es gab erhebliche Schäden und auch einen Toten.

Nördlich des Flusses in der Friedrichstadt, wo das Gelände steiler ansteigt als am flachen südlichen Flußufer, steht auf dem sogenannten Jerusalemer Friedhof die Friedhofskirche Zum Heiligen Kreuz. Hier ist das Grab von Joseph von Eichendorff und seiner Frau Aloysia (Louise) von Larisch.

Und damit endet die dritte Rundreise durch Schlesien, die uns dieses Mal durch Oberschlesien und die polnisch-tschechische Grenzregion geführt hat. Es wird nicht die letzte Schlesien-Reise gewesen sein; dafür ist die Region viel zu interessant, sind die Städte und die Landschaften viel zu schön, ist zu viel liegengeblieben, was nicht mehr in den (leider erneut verkürzten) Reiseplan gepaßt hat. Zum Beispiel, sich für einen Kaffee auf den Neisser Ringplatz zu setzen. Der Reisehase will wiederkommen.

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