Bielefeld

Nach der gestrigen Tagestour durchs Münsterland folgt nun ein Gang durch Bielefelds Innenstadt an einem neblig-grauen Sonntagmorgen.

Das Startbild zeigt eines der markantesten Gebäude der Stadt: Die Kunsthalle von 1968, die der Architekt Philip Johnson entworfen hat. Davor steht im Skulpturengarten ein großes Oval mit Spitzen, ein Werk von Henry Moore, das “Großes Oval mit Spitzen” heißt.

Kein großes Oval, aber zwei Spitzen bietet auch die Neustädter Marienkirche: Die Türme sind 78 Meter hoch und verschwinden schon im Nebel dieses Februartages. Den Weg hoch zur Sparrenburg, von der man einen schönen Blick hinunter auf die Marienkirche und die Bielefelder Altstadt hat, kann ich mir daher sparen. Bei besserer Sicht sähe das so aus.

Ein weiteres Wahrzeichen der Stadt ist der Leinenweber, 1909 vom Tiroler Bildhauer Hans Perathoner geschaffen. Er steht in einer kleinen Parkanlage hinter der Altstädter Nicolaikirche und erinnert daran, daß Bielefeld ab dem 17. Jahrhundert durch die Leinenherstellung und den Leinenhandel geprägt war und zu gewissem Wohlstand kam. Da könnte der Leinenweber schon mal ein bißchen weniger streng gucken.

Von der Nicolaikirche sind es nur ein paar Schritte zum Alten Markt mit einer Reihe von Renaissance-Bürgerhäusern, von denen aber nur noch das im Bild zweite von links original ist; die Bielefelder Altstadt wurde im Zweiten Weltkrieg bei Luftangriffen weitgehend zerstört.

Ohne Beschädigungen kam das Kachelhaus mit den markanten grünen Keramik-Kacheln im Erdgeschoß durch den Krieg. Es ist Baujahr 1927 und kann also im kommenden Jahr seinen 100. Geburtstag feiern.

Bielefeld ist ja im Gegensatz zu den Nachbarstädten Münster und Paderborn weder Bischofssitz noch Residenzstadt, sondern Industrie- und Kaufmannsstadt. Das merkt man auch in den altstadtnahen Vierteln, die früher zum Teil Werksgelände waren, zum Beispiel der Dürkoppwerke. Die produzierten am östlichen Rand der Altstadt zunächst Nähmaschinen, die in den benachbarten Textilfabriken dankbare Abnehmer fanden, und später auch Fahrräder, Motorräder und schließlich ab 1894 auch Autos. Die Automobilproduktion mußte Dürkopp aber in der Weltwirtschaftskrise der 20er Jahre einstellen. Die Dürkoppwerke existieren als Dürkopp Adler GmbH noch immer, haben ihren Sitz im Stadtteil Oldentrup im Bielefelder Osten und sind als Produzent von Nähmaschinen wieder zu ihren Wurzeln zurückgekehrt.

Die schon erwähnte Textilindustrie machte Bielefeld zur Großstadt; 1930 war die dafür nötige Marke von 100.000 Einwohnern erreicht. Heute sind es mehr als dreimal so viel, was aber vor allem an großflächigen Eingemeindungen liegt (Brackwede, Sennestadt, Heepen). Die 1854 gegründete Ravensberger Spinnerei ließ sich als Hauptgebäude ein veritables Schloß errichten. 1974 mußte die Spinnerei ihren Betrieb einstellen; der riesige Bau sollte abgerissen werden, wurde aber zum Glück erhalten und bildet heute den Mittelpunkt des Ravensberger Parks im Bielefelder Osten.

Ein anderer Park liegt im Westen der Stadt: Der Bürgerpark, in dem die Rudolf-Oetker-Halle steht. Die Eisfläche dürfte nicht mehr tragen; mit fünf, sechs Grad plus ist es dafür vermutlich schon wieder etwas zu warm.

Durch den Park läuft seit 1961 dieser Elch, der an das heute russische Gumbinnen im ehemaligen Ostpreußen erinnert. Bielefeld hatte die Patenschaft für die Vertriebenen aus der Stadt übernommen, die an einem Fluß mit dem denkbar unvorteilhaften Namen Pissa liegt. Bielefeld fehlt ja ein richtiger Fluß, aber vielleicht besser kein Fluß als einer, der Pissa heißt. 😉

Je weiter man an diesem Sonntagmorgen in den Bielefelder Westen kommt, umso mehr spürt man, daß heute Spieltag ist. Von der Altstadt kann man bequem zu Fuß zum innenstadtnah gelegenen Stadion laufen und kommt dabei zum Siegfriedplatz mit der ehemaligen Bürgerwache, einem der beliebten Treffpunkte vor dem Anpfiff.

Und von dort geht’s jetzt zur Alm. Endlich mal wieder!

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