Jülich

Jülich ist eine 35.000-Einwohner-Stadt im rheinischen Braunkohlerevier an der Rur, die hier zwischen dem Tagebau Inden und dem Tagebau Hambach hindurchfließt.

Jülich war früher die Residenzstadt des Herzogtums Jülich. Daraus wurde irgendwann Jülich-Berg (mit der Grafschaft Berg, also dem “Bergischen Land”) und dann die Vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg, zu denen neben Kleve auch das Märkische Land (also Lüdenscheid, Altena und so) und die Grafschaft Ravensburg (Bielefeld!) gehörten. Das war alles schon recht unübersichtlich in der Feudalzeit. Die längst fällige Flurbereinigung brachte erst der Wiener Kongreß: Da kamen Jülich, Kleve und Berg zur preußischen Rheinprovinz, die von Kleve bis Saarbrücken reichte.

Jülich jedenfalls war nicht nur Residenz-, sondern auch Festungsstadt, mit einer großen Festung an der Rur, die im 16. Jahrhundert angelegt und immer wieder erweitert wurde. Sie steht heute noch; man kann sie besichtigen und entlang der Wälle, Mauern und Bastionen spazieren.

Auch Napoleon fand Jülich strategisch wichtig. Er ließ daher auf der anderen Seite der Stadt an der Rur einen vorgelagerten Brückenkopf errichten. Jülich sollte die französische Ostgrenze sichern, die es aber schon kurz danach nicht mehr gab. Die Festung blieb unvollendet, Jülich lag nicht mehr an einer zu schützenden Grenze, und der Brückenkopf ist heute Teil einer Parkanlage an der Rur.

Von der Residenz Jülich steht noch ein Renaissanceschloß in der Zitadelle. Die Innenstadt hingegen bietet kaum historische Bausubstanz, weil sie im Zweiten Weltkrieg nahezu komplett zerstört wurde. So ist das Zentrum heute fast ausschließlich durch Nachkriegsbauten geprägt. Beispielphoto:

Es wurden nur einige wenige Bauten rekonstruiert, zum Beispiel der sogenannte Hexenturm, der eigentlich kein Turm ist (wenn überhaupt, dann zwei, wie man sieht), sondern das Rurtor – das einzige erhaltene Tor der ursprünglichen Stadtbefestigung.

Die Propsteikirche St. Mariä Himmelfahrt ist ebenfalls weitgehend ein Nachkriegsbau, aber unter Nutzung der (wenigen) erhaltenen ursprünglichen Teile (die Turm-Untergeschosse in Sandstein).

Auf dem Marktplatz steht die Bronzeskulptur für Alessandro Pasqualini, der im 16. Jahrhundert die Festung Jülich entworfen hatte und nebenbei einer der ersten Architekten war, der den Renaissancestil nördlich der Alpen verwendete. Er ist in Bologna geboren, arbeitete aber in Jülich und in den Niederlanden und schließlich in Bielefeld. Dort entwarf er die Befestigungen rund um die Sparrenburg. Die nächsten Italiener, die so prägend in Bielefeld wirkten, waren dann übrigens Giuseppe Reina und Bruno Labbadia. 😉

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