Bonn: Zisterzienser-Ausstellung

Ich treibe mich natürlich nicht ohne Grund an diesem Wochenende hier herum. Es gibt einen konkreten Anlaß, und zwar diese Austellung:

Und weil ich den Besuch natürlich auf den letzten Ausstellungstag hinausgeschoben habe (Prokrastination will gelernt sein) und ich ebenso natürlich nicht der Einzige bin, der auf diese Idee kommt, ist einiges los hier im LVR-Landesmuseum in Bonn.

Die Ausstellung ist gut gemacht und sehr informativ, auch wenn ich mich ja schon ausreichend lange und intensiv mit dem Thema beschäftigt habe und das meiste natürlich kenne (Ordensgeschichte, Aufbau eines Klosters, Tagesablauf der Mönche etc.). Aber als Auffrischung ist das schon prima, und es gibt auch einige originale Kunstwerke zu sehen, wie diese Figuren eines Altars aus Kamp.

Für so eine Ausstellung ist es natürlich gut, daß das ursprüngliche strenge Bilder- und Skulpturenverbot des Ordensgründers Bernhard von Clairvaux nicht allzu lange befolgt wurde. Zu sehen gibt es aber auch Handschriften aus dem 12. Jh. aus Cîteaux:

Ansonsten setzt man natürlich einen regionalen Schwerpunkt auf die beiden nahegelegenen und bedeutenden Abteien des Rheinlandes: Altenberg (dessen Klosterkirche der schönste gotische Kirchenbau des Rheinlandes ist – Photo von meiner Zisterzienser-Seite):

…und Heisterbach (Bild aus der Ausstellung):

Und wenn ich dann mal ganz genau in die ausgelegte Literatur hineinschaue… 😎

Bonn

Es ist (bei weitem) nicht mein erster Bonn-Besuch, und das Wetter ist auch nicht ganz so vorzeigbar. Ist halt Januar… Daher gibt’s nur eine Handvoll Bilder aus der ehemaligen Bundeshauptstadt.

Auf Schritt und Tritt begegnet einem der berühmteste Sohn der Stadt.

Zum Beispiel als Denkmal:

In der Altstadt steht sein Geburtshaus:

Bei Wolfgang Amadeus in Salzburg war mehr Gedränge…

Noch ein paar Impressionen:

Siegburg

Die Innenstadt von Siegburg liegt am Fuß eines Felsens, auf dem im 11. Jahrhundert die Abtei Michaelsberg gegründet wurde. Vorher befand sich an dieser Stelle eine Burg der Pfalzgrafen; die Keimzelle der späteren Stadt.

Leider hat man von oben keinen guten Blick ins Rheintal oder auf die Siegburger Innenstadt, weil diese Richtungen durch Bäume oder Gebäude verdeckt sind. So bleibt nach dem Aufstieg nur der nicht ganz so überragende Blick nach Osten über die Vororte Siegburgs.

Auch die Innenstadt ist nicht unbedingt spektakulär; ein echter Blickfang ist allerdings die sehr hübsche Kirche St. Servatius.

Auf dem dreieckigen Oberen Marktplatz steht eine Siegessäule.

Und an einem der wenigen Fachwerkhäusern ist das Gedicht von Eugen Gomringer angebracht, das in Berlin gerade für Diskussionen sorgt, weil es angeblich sexistisch sein soll und daher demnächst von einer Fassade entfernt werden soll. Die Idee, das Gedicht im Gegenzug an ganz vielen Stellen neu anzubringen, um so gegen absonderliche Formen geistiger Umnachtung zu protestieren, hat was für sich. Gefällt mir.

Et là, je ne suis pas sûr: J’achète seulement quelque chose, ou j’achète le magasin entier?

Wanderung im unteren Siegtal

Vorab kurz eine redaktionelle Information: Momentan werden die Photos von WordPress nicht mehr als Link, sondern direkt in den Text eingefügt. Das Anklicken, um die Vollversion zu sehen, funktioniert daher nicht mehr. Ich kann das auch momentan leider nicht ändern; das ist irgendeine Systemeinstellung im verwendeten Theme, die ich nicht selbst vornehmen kann. Wer die Bilder groß sehen will: Rechte Maustaste -> Bild in neuen Tab öffnen.

Aber jetzt ab an die Sieg.

18,20 km in 3:31 h: Die erste längere Wanderung des Jahres geht durch das Siegtal von Merten (Sieg) nach Blankenberg und zurück. Le retour du lapin randonneur.

Vom Bahnhof Merten, der komplett abseits jeder Bebauung in den Wiesen des Siegtals herumsteht, geht’s zunächst nach Merten. Hier steht ein Kloster der Augustinerinnen.

Dann weiter nach Blankenberg. Es ist Januar, also entwickelt sich das Ganze erwartungsgemäß recht bald zu einem Hindernislauf.

Zum einen hat Friederike hier gewütet, zum anderen hat sich durch den vielen Regen natürlich überall ordentlich Matsch angesammelt. Und auch die Kombination, die mir von der Schlammschlacht in Nordengland im Gedächtnis geblieben ist, ist einmal vertreten: Links Stacheldraht, rechts Brombeerhecken, in der Mitte ein Trog aus Schlamm, der der Länge nach durchquert werden muß.

Auf dem Weg liegt der kleine Ort Süchterscheid, mit ein wenig Fachwerk und einer alten Kapelle, um die herum 1957-65 eine Wallfahrtskirche errichtet wurde.

Gegen Mittag setzt sich dann die Sonne endgültig gegen den Nebel durch. Burg Blankenberg kommt so auch besser zur Geltung. Die große Burganlage liegt etwas außerhalb des Ortes auf einem Felsen über dem Siegtal.

Blankenberg selbst ist ein kleines Städtchen, dessen Altstadt mit viel Fachwerk von einem fast vollständig erhaltenen Stadtmauerring umgeben ist.

Weiter geht es durch die Auenlandschaft der Sieg, die hier in weiten Schleifen in Richtung Rhein fließt und aktuell sehr viel Wasser führt.

Zwischendrin kommt man noch durch Orte, die klingen, als habe man einen Ostasiaten nach dem Ortsnamen gefragt. Sehl kulios.

Entlang der Siegtal-Bahnstrecke geht’s dann zurück nach Merten.

Wolfsburg (2)

Das Wetter am Sonntagmorgen ist zunächst wieder gut: Zum Rundgang durch die Stadt scheint die Sonne. Später wird’s dann neblig.

Eigentlich wollte ich mir ja noch das VW-Museum anschauen, aber das gibt es nur in Kombination mit einer Gesamtkarte für die Autostadt, und nur fürs Museum wäre das arg teuer. Schade.

Also statt der Automobilgeschichte zurück zum Thema Architektur und Kunst.

Die Stadt hat es immer wieder geschafft, sehr namhafte Architekten für Bauprojekte zu gewinnen. Neben der gestern schon erwähnten Zaha Hadid sind es vor allem Alvar Aalto und Hans Scharoun. Aalto entwarf das Kulturhaus mit Stadtbibliothek im Stadtzentrum neben dem Rathaus (und auch noch zwei Stadtteilkirchen).

Von Hans Scharoun stammt der langgestreckte Bau des Theaters (1973), südlich des Zentrums in einem Park gelegen.

Am Bahnhof steht seit 2010 ein Denkmal, das an die Gastarbeiter erinnert, die ab den frühen 60er Jahren in großer Zahl auch nach Wolfsburg kamen. Vor allem die italienische Gemeinde ist hier sehr zahlreich vertreten, und speziell sie werden durch die Skulptur “L’emigrante” des Künstlers Quinto Provenziani geehrt.

Jeweils 1951 eingeweiht wurden die Kirchen im Zentrum: Die katholische Kirche St. Christophorus…

…und die evangelische Christuskirche.

Manchmal beschmieren hier sogar Hasenhände Tisch und Wände:

Na sowas. Ansonsten finden sich keine Hasen. Dafür eine (monumentale) Giraffe, vermutlich ein Ableger des nahen Kunstmuseums.

Abends geht’s dann auf die Rückfahrt per IC. Wie üblich nehme ich es sportlich: Das ewig junge Duell zwischen Umsteigezeit und Verspätung gewinnt heute zum dritten Mal in Folge… die Verspätung. Dieses Mal mit 20 zu 13. 🤧

So, das war dann Wolfsburg. Weiter geht’s nach einer nicht allzulangen Pause schon ganz demnächst. 😊

Fallersleben

Wem Wolfsburg zu modern ist, der wird vielleicht eher in der Umgebung zufriedengestellt. Zum Beispiel im vor einigen Jahren eingemeindeten Stadtteil Fallersleben, wo es am Schloßteich das perfekte Dorfidyll gibt:

Das Städtchen, im 16. Jahrhundert eine kleine Residenz, wirkt noch immer eher dörflich geprägt und bietet somit innerhalb der Wolfsburger Stadtgrenzen ein beachtliches Fachwerkensemble.

Im Zentrum des Ortes steht das Renaissanceschloß Fallersleben, das zur Mitte des 16. Jh. die hier residierende Herzogin Clara von Braunschweig-Gifhorn fertigstellen ließ.

Direkt daneben steht die klassizistische Schloßkirche.

Im Zentrum steht auch das Hoffmannhaus, das Geburtshaus des Dichters August Heinrich Hoffmann, der sich “von Fallersleben” nannte, um Verwechslungen zu vermeiden (Heinrich Hoffmann hieß z.B. auch der Struwwelpeter-Autor).

Hoffmann v. F. ist heute vor allem als Verfasser des Textes der Nationalhymne bekannt, ist also quasi der deutsche Rouget de Lisle (und Fallersleben somit das deutsche Lons-le-Saunier). Er, also Hoffmann, schrieb aber auch zahlreiche weitere Lieder, die zwar jeder kennt, den Autor aber nicht unbedingt weiß: Unter anderem “Alle Vögel sind schon da”, “Ein Männlein steht im Walde”, “Winter ade” oder “Morgen kommt der Weihnachtsmann”.

Das Hoffmannhaus ist heute Hotel.

Ich wärme mich dann in einem Café im Zentrum auf. Die hier am Sonntag bei Kaffee und Sahnetorte sitzen, sind offensichtlich Stammgäste und kennen sich. Mich kennen sie nicht, weshalb ich skeptisch beäugt werde, während ich diesen Text schreibe..

Wolfsburg am Abend

Abends präsentiert sich die Stadt äußerst farbenfroh, vor allem das im vorangegangenen Beitrag schon erwähnte “Phaeno”, das mit den Lichtinstallationen auf den Fassaden nicht mehr so klotzig und abweisend wirkt wie bei Tag.

Und auch die Autostadt am Kanal wird angestrahlt.

Als Abendessen gibt es die traditionelle Spezialität der Stadt: Die berühmte VW-Currywurst!

VfL Wolfsburg

15 der aktuellen Bundesligisten habe ich schon besucht; es fehlt also nur noch ein einziger (jedenfalls solange Holstein Kiel nicht aufsteigt), denn die Bayern kriegen kein Geld von mir, und die Dosen gucke ich mit dem Arsch nicht an.

Die Lücke namens VfL Wolfsburg schließe ich heute.

Der von VW üppig alimentierte VfL spielt, na klar, in der 2002 eröffneten Volkswagen-Arena. Das ist ein im Allerpark neben der Autostadt direkt am Mittellandkanal stehender Stadionneubau, der sich baulich kaum von den anderen modernen “Arenen” von Sinsheim bis (leider) Mönchengladbach unterscheidet.

Funktional, aber irgendwie auch austauschbar.

Zwar gehört der VfL nun nicht unbedingt zu meinen Lieblingsvereinen, aber immerhin haben sie in ihrem Meisterschaftsjahr 2009 den Bayern mal kräftig hintenrein getreten. Mit Anlauf. Und weil’s sowas heute ja leider nicht mehr gibt: Danke dafür.

Heute stehen die Wolfsburger nur auf Rang 12, blicken also eher in Richtung Abstieg – und tun das nach dem heutigen Spiel erst recht, denn sie verlieren 1:3 gegen die Frankfurter Eintracht. Nachdem es schon nach 22 Minuten 0:2 steht, bricht die Stimmung ziemlich schnell in sich zusammen in der Arena, auf deren Zuschauerrängen sich ohnehin große Lücken auftun.

Wolfsburg

Nach Wolfsburg? Echt jetzt? Die allgemeine Reaktion, als ich sage, daß ich dorthin fahre, ist Naserümpfen: Macht keiner, außer zum Autoabholen. Und der ICE brettert ja auch ständig durch, ohne anzuhalten.

So viel Ablehnung reizt mich ja eher, und ich gehe ja auch gerne in Städten wie Marl oder Oberhausen, die nicht gerade unter Touristenmassen leiden, auf Entdeckungstour. Heidelberg hübsch finden kann ja jeder.

Also per ICE nach WOB, zwei Tage nach Sturm Friederike. Leben am Limit.

Überraschung 1: Der ICE, auf sturmgebeutelter Trasse mit nur wenig Verspätung, hält in Wolfsburg. Juhu!

Überraschung 2: Rund um Schloß Wolfsburg ist es recht idyllisch:

Das Renaissanceschloß, das der Stadt ihren Namen gab, steht unweit des VW-Werks in einem Park, in dem mehrere Großplastiken schöne Photospielereien ermöglichen.

Aber natürlich ist Wolfsburg in erster Linie eine Industriestadt. Entstanden ab 1938 unter dem Namen “Stadt des KdF-Wagens” in infrastrukturseitig günstiger Lage am Mittellandkanal, wuchs die neue Stadt um das riesige Automobilwerk. Und das ist mit seinen vier hohen Schornsteinen natürlich noch heute das Wahrzeichen der Stadt.

Daneben baute man vor einigen Jahren die moderne “Autostadt”, ein Themenpark rund um VW mit verschiedenen Präsentationspavillons. Hier wäre dann auch die Anlaufstelle fürs Autoabholen. Ich bleibe aber bei meinem Schwedenmöbel.

Natürlich darf man in der Innenstadt weder ein Fachwerkidyll noch einen gotischen Dom noch Burgenromantik erwarten; das neue Zentrum der neuen Planstadt entstand erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

Wer Spaß an moderner Architektur hat, wird hier aber fündig und sieht durchaus Außergewöhnliches. Zum Beispiel das “Phaeno” von Zaha Hadid (2005), ein interaktives naturwissenschaftliches Museum.

Aus den 50ern stammt das Rathaus (Entwurf von Titus Taeschner, von dem auch der Plan der Nachkriegsstadt stammt):

Und modern ist auch das Kunstmuseum von 1995:

Der Stiefel

Ich glaube, so ziemlich jedes saarländische Schulkind ist mindestens einmal hierher geschleppt worden: Zum Stiefel, einer markanten Sandsteinformation auf einem Bergrücken im Wald bei Sengscheid, einem Stadtteil von St. Ingbert. Neben der Saarschleife dürfte der Stiefel wohl das bekannteste Naturdenkmal des Landes sein.

Ziemlich sicher war dieser markante Felsen schon in der Steinzeit eine Kultstätte.

Für den Größeneindruck: Der untere Teil hat einen Umfang von etwa 5 bis 6 Metern.

Ein weiterer Stein, der (allerdings von Menschenhand geformte) sog. Teufelstisch, steht nur ein paar Meter entfernt. 

Perfekt getarnt, da farblich sehr passend zum Rotbraun des Sandsteins: Lapin de grès.