Dublin (3)

Die Southside.

Südlich der Liffey liegen die eher bürgerlichen Stadtteile Dublins. Typisch sind hier ganze Straßenzüge mit einheitlicher Bebauung, wie am Merrion Square.

Hier geben fast nur die farblich unterschiedlichen Türen den Häusern ihren individuellen Touch.

Der Merrion Square ist aber vor allem eine große Parkanlage, ein ziemlich exaktes Rechteck von 340×170 Metern. Hier steht ein recht aussagekräftiges Denkmal für den in Dublin geborenen Oscar Wilde.

Dessen Familie wohnte in einem Haus an der Nordseite des Parks.

Überhaupt hat das nach Köpfen recht kleine irische Volk eine ganze Menge außerordentlicher Literaten hervorgebracht, darunter allein vier Nobelpreisträger: George Bernard Shaw, Samuel Beckett, Seamus Heaney und, 1923 als erster Ire, William Butler Yeats, von dem das Zitat und Motto im ersten Posting zur Nordirland-Tour stammt. Der aber auch sehr schöne Gedichte republikanischen Inhaltes schrieb:

“Out of Ireland have we come.
Great hatred, little room,
Maimed us at the start.
I carry from my mother’s womb
A fanatic heart.”
(aus: “Remorse For Intemperate Speech”)

Keinen Nobelpreis erhielten hingegen andere Autoren, wie der “drinker with a writing problem” Brendan Behan, der Dramatiker Sean O’Casey oder der von Harry Rowohlt in Deutschland bekannt gemachte Flann O’Brien. Ebenfalls nicht nobelpreis-würdig war auch der wohl berühmteste irische Schriftsteller, dessen Denkmal im Zentrum direkt neben der Spire steht: James Joyce.

Die Spuren des “Ulysses” finden sich überall in der Innenstadt – auch wenn den vollständigen Roman vermutlich nur die wenigsten gelesen haben dürften (ich habe mich auch noch nicht herangetraut). Hier jedenfalls kaufte Leopold Bloom seine Seife:

Nicht weit vom Merrion Square liegt das Areal des Trinity College, der 1592 gegründeten Universität.

In einem der Gebäude ist die alte Bibliothek mit etwa 200.000 Bänden untergebracht. Darunter befindet sich auch das im Start-Posting zur Tour bereits erwähnte Book of Kells. Da ich hier beim letzten Dublin-Besuch schon war, lasse ich das dieses Mal aber aus und nehme nur einen Hasen aus dem Fanshop mit. 

Die Bibliophilie (oder vielleicht auch Bibliomanie) wird aber andernorts auch bedient, nämlich in der Chester Beatty Library in der Nähe des Dublin Castle.

Das heutige Museum entstand aus der Stiftung eines amerikanischen Industriellen und bietet eine bedeutende Sammlung früher Handschriften und Drucke. Der Eintritt zur Sammlung ist kostenlos.

Hier trifft der Reisehase auf japanische Artgenossen, die es sogar mit einem veritablen Hund oder Wolf aufnehmen. Kämft, Jungs! Ihr schafft das!

Direkt daneben steht das aus mehreren Gebäuden bestehende Dublin Castle, ursprünglich eine normannische Festung, die zur Keimzelle der Stadt wurde und bis 1922 Sitz der britischen Verwaltung war.

Im geschäftigen Zentrum kann man Molly Malone treffen, die ursprünglich in der Grafton Street zuhause war und vor ein paar Jahren in die Suffolk Street umgezogen ist. Molly ist Fischhändlerin – und aus Bronze. Das Denkmal, das auf ein irisches Volkslied Bezug nimmt, ist inzwischen eines der Wahrzeichen der Stadt und sehr beliebtes Photo-Motiv. Aus Gründen.

Ebenfalls am Südufer der Liffey befindet sich das Künstler- und Kneipenviertel Temple Bar mit zahllosen Pubs und einigen Kultureinrichtungen wie dem nationalen Filmarchiv und dem Music Centre, das irische Größen der Pop- und Rockmusik wie U2, Sinéad O’Connor oder Bob Geldof ehrt.

Am Rand von Temple Bar ist die Christ Church Cathedral, die Hauptkirche der anglikanischen Kirche in Dublin, zu finden.

Hier, in der Fishamble Street, war ich dann auch für die eine Nacht im sehr schönen Harding Hotel.

Unmittelbar neben dem Hotel stand übrigens früher “Mr. Neale’s Great Musick Hall”, wo 1742 Georg Friedrich Händels “Messiah” uraufgeführt wurde; ein Straßengemälde erinnert daran, stammt aber nach intensiver Stilprüfung ziemlich sicher nicht aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. 😉

Und ja: Musick Hall. Kein Schreibfehler!

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