Berlin: Oberbaumbrücke

Die Oberbaumbrücke war während der Jahre der Berliner Teilung einer der wenigen innerstädtischen Grenzübergänge. Heute verbindet sie Friedrichshain und Kreuzberg und ist eine wichtige Verkehrsachse.

Um die Brücke herum, an der Warschauer Straße und ihren Nebenstraßen, zeigt sich Berlin vor allem auf dem linken Spreeufer allerdings leider von seiner eher schmuddeligen Seite. Und auch die East Side Gallery am rechten Spreeufer, das längste noch stehende Stück der Berliner Mauer, ist nicht gerade ein Schmuckstück. Mit vielen Billigbuden im Umfeld vermittelt es keinen echten Eindruck dessen, was die Mauer für das geteilte Berlin bedeutete; ein Disneyland war das damals nämlich ganz und gar nicht. Immerhin gibt’s schöne Wandbilder; und häufig wird die East Side Gallery ja auch schlicht als Freiluft-Galerie beworben: Es ist also quasi wie ein Buch für Leute, die nicht gern lesen, aber schöne Bilder mögen. Was aber mit jeder anderen nullacht-fuffzehn-Mauer auch zu bewerkstelligen gewesen wäre.

Besser ist wohl, wie ich hörte, die Gedenkstätte an der Bernauer Straße. Die steht somit für den nächsten Berlin-Besuch auf meiner Liste.

Etwas südlich steht an den “Treptowers”, einem 1998 errichteten Hochhauskomplex im Stadtteil Treptow, die Monumentalskulptur “Molecule Man” von Jonathan Borofsky.

1999 aufgestellt und aus drei jeweils 30 Meter hohen Figuren bestehend, steht sie in der Spree – unverrückbar: Sie ist 45 Tonnen schwer.

Da findet dann auch der Hase mal einen einigermaßen brauchbaren und nicht total versifften Sitzplatz.

Zwischen Oberbaumbrücke und Molecule Man liegt der von langgestreckten Lagerhäusern gesäumte, heute ziemlich stille und weitgehend ungenutzte Osthafen.

Hier trifft man auf Dr. Ingrid Wengler. Frau Doktor ist 59 Jahre alt und ein ziemliches Wrack. Die “Dr. Ingrid Wengler” ist nämlich ein ehemaliges Spree-Ausflugsschiff, das seit 1996 hier liegt und verrottet. Keine Ahnung, wie man auf die Idee kommt, ein Schiff ausgerechnet hierher zu schleppen und sich dann nicht mehr darum zu kümmern. Vermutlich wollte man es nur kurz zwischenlagern und währenddessen mal eben schnell den Flughafen fertigbauen.

Irgendwie muß ich auch gerade an die “Gorch Fock” denken… Die ist auch momentan in keinem besseren Zustand.

Am Ufer liegt die MS Hoppetosse, der man ihren bewegten Lebenslauf ebenfalls ansieht:

1928 erbaut und zunächst als Passagierschiff auf der Ostsee im Einsatz, wurde sie 1945 versenkt, dann gehoben und restauriert und wieder in Betrieb genommen. Nach der Wende wurde sie in zwei Teile zersägt und nach Berlin gebracht. Seitdem liegt das wieder zusammengesetzte Schiff im Osthafen und wird auf Google Maps wahlweise als “chilliger Club” oder “loungiges Clubschiff” beworben, womit man heute dem armen Schiff – mindestens mal sprachlich – deutlich Schlimmeres antut als das, was es in den Jahrzehnten zuvor erdulden mußte. Außerdem sieht es aktuell nicht sehr einladend aus; da wurde wohl in letzter Zeit etwas zu viel loungig gechillt und zu etwas wenig renoviert.

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