Schwazer Bergbau

Aujourd’hui c’est le Lapin Argentin. Et il a beaucoup à raconter sur les mines d’argent à Schwaz.

Es gibt viel zu erzählen über den Schwazer Silberbergbau. Und das mache ich jetzt auch.

Für einen stolzen Preis (17€) kann man in den Berg einfahren, im Rahmen einer etwa 90-minütigen faszinierenden Führung durch die “Mutter aller Bergwerke”.

Man übertreibt nicht, wenn man dem Schwazer Bergbau welthistorische Bedeutung beimißt. Seit dem 15. Jh. waren die Silbervorkommen bekannt. Angeblich hat ein Stier die erste Silberader freigekratzt; daher das Denkmal am Stolleneingang.

Bald schon wurde der Bergbau ausgebaut; es wurden zahllose hunderte Meter lange Stollen waagerecht in den Berg getrieben; das Silbererz wurde dann in einer Art Lore nach draußen geschoben, auf Kähnen den Inn hinauf nach Hall gezogen und dort zu Münzen verarbeitet.

Der Silberberg zog viele Menschen an. In der Zeit um 1520 war Schwaz mit etwa 30.000 Einwohnern der zweitgrößte Ort Österreichs, hatte etwa doppelt so viele Einwohner wie heute und förderte 85% des Silbers weltweit. Damit gewährleistete der Ort nicht nur den Reichtum der Habsburger, die 1363 Tirol und damit auch Schwaz erhalten hatten, sondern sicherte auch Macht und Einfluß der Landesherren. Bald kamen die Bergwerke in den Besitz der Augsburger Bankiersfamilie Fugger, die in Schwaz ein Handelskontor errichtete. Unter anderem mit den Einkünften aus dem Silber aus Schwaz verhalfen sie Karl V. auf den Kaiserthron: Karl Vorgänger, Kaiser Maximilian I. aus dem Haus Habsburg, war Landesherr Tirols und hatte in Hall Bianca Sforza geheiratet.

Auch technisch war Schwaz bedeutend: Das 1536 erschienene Schwazer Bergbuch bildete für Jahrhunderte das Grundlagenwerk des modernen Bergbaus.

Unter Tage schufteten die Hauer an den Erzadern, die Silber und Kupfer führten.

Die Knappen bildeten ihre eigene, häufig nur schwer zu zähmende Schicht. Sie wußten sich ihre Privilegien wie eigene Gerichtsbarkeit und Steuerfreiheit zu sichern und nutzten ihre Macht, den Bergbau per Streik öahmzulegen. Schlechter dran waren die Wasserschöpfer, die in Vier-Stunden-Schichten unaufhörlich das Sickerwasser in Lederbeuteln aus den Schächten hieven mußten. Auch sie streikten häufig, und ohne ihre Arbeit liefen die Schächte schnell voller Wasser und wurden unbenutzbar. Hunderte alter Stollen stehen noch heute unter Wasser.

Die Bergknappen erhielten gute Löhne und konnten durchaus gut leben, aber meist nicht lange: Durchschnittlich 35 Jahre betrug die Lebenserwartung. Zu hart die Arbeit, zu schlecht die Bedingungen, zu gefährlich auch das Hantieren mit dem Schwarzpulver, als dieses im 16. Jh. verstärkt zum Einsatz kam. Ohne dieses Hilfsmittel, mit reiner Handarbeit, kam ein Hauer nur einige Millimeter pro Tag durch den harten Dolomit des Berges voran.

Außerdem begann man das Arbeitsleben oft bereits mit 10, 11 Jahren: Als Focherbub, den großen  Blasebalg betätigend, der Luft in die Schächte und Stollen pusten sollte.

Die Wasserschöpfer wurden Mitte des 16. Jahrhunderts abgelöst durch die Schwazer Wasserkunst: Ein ausgeklügeltes System aus Wasserrädern und Schöpfvorrichtungen, die das manuelle Schöpfen überflüssig machten. Die Konstruktion galt damals als Wunderwerk.

All das erfährt man beim Bergwerksbesuch, bei dem man einen Kilometer tief waagerecht in den Berg hineinfährt, auf einer Grubenbahn durch den engen Sigmund-Erbstollen, der schon 1491 in den Berg getrieben wurde und nach dem Erzherzog Sigismund, genannt der Münzreiche, benannt ist (der die Münze nach Hall holte). Knapp sieben Minuten dauert die Fahrt mit der Bahn:

Man sieht auch die Gänge und Gerätschaften aus späteren Zeiten; der ganze Berg ist von zahlreichen Stollen durchlöchert.

Mit der Entdeckung der Silbervorkommen in der Neuen Welt begann der Niedergang in Schwaz. Viele knappen suchten andere Arbeit und zogen weg. Bis 1957 wurde in Schwaz weiter Silber abgebaut und die Förderung dann eingestellt. Die Bergwerksgesellschaft existiert aber noch und läßt die Konzession auch nur ruhen, könnte den Abbau also jederzeit wieder aufnehmen.

Man sieht: Ich bin sehr begeistert. Und könnte noch kilometerlang weiterschreiben… 😉

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