Villeneuve-d’Ascq

Ich muß jetzt mal aus alten Zeiten erzählen. 1992, als es die D-Mark noch gab und die Bundesliga noch spannend war, bin ich mit einem sehr guten Freund in dessen damals schon halb antiken Ford Fiesta durch Nordfrankreich und Belgien gefahren. Damals sind wir auch nach Villeneuve-d’Ascq vor den Toren von Lille gekommen und haben das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst und besichtigt. 

Das war sehr beeindruckend, vor allem die damals ausgestellte zeitgenössische Kunst im Rahmen einer Sonderausstellung zur Avantgarde-Kunst, deren Exponate größtenteils deutlich jünger waren als der erwähnte Fiesta – wobei man manches nur als Ausstellungsstück erkennen konnte, weil es eine Beschreibungstafel gab. Ich war jedenfalls irgendwann so weit, hinter jedem Feuchtigkeitsmeßgerät ein Kunstwerk zu wittern. Unvergessen die Klebebuchstaben an einem Fenster, die das Wort “Ruptured” bildeten (ein Werk von Lawrence Wiener, wie die Ausstellungsbeschreibung mitteilt, die ich tatsächlich aufgehoben habe. Manchmal staune ich selbst über mein Archiv…).

Der Museumsbesuch war also ein echtes Erlebnis und irgendwie prägend; vielleicht ist mein Interesse an zeitgenössischer Kunst dort geweckt worden. Andere Museumsbesuche haben sich jedenfalls nicht unbedingt so tief in der Erinnerung festgesetzt. Und überhaupt war das damals eine richtig schöne Tour. Darauf ein Jenlain.

Schon das Gebäude selbst, ein 1983 eröffneter, von Roland Simounet entworfener Gebäudekomplex, ist sehenswert, sowohl von außen als auch im Inneren.

Auch die ständige Sammlung konnte sich damals und kann sich auch heute noch sehen lassen. Von Picasso über Miró und Modigliani bis Leger sind viele bedeutende Namen der klassischen Moderne vertreten. Daneben sind auch zeitgenössische Kunst und Art Brut Schwerpunkte der Sammlung.

Glanzstück des Museums (wer mag da widersprechen?) ist diese Skulptur des walisischen Künstlers Barry Flanagan, was natürlich den Reisehasen in helle Aufregung versetzt.

Leider war das Werk etwa 1,50m hoch und sonit schlicht zu groß, um es unauffällig mitzunehmen. Ich war kurz davor, es trotzdem zu versuchen. 😉

Um das Museum herum ist ein weitläufiger Park angelegt, in dem einige Großskulpturen stehen. 

Ein Besuch lohnt sich hier auf jeden Fall. Nach Umbau und Neueröffnung firmiert das Museum inzwischen unter dem Namen LAM (der vollständige Name ist mir zu lang, irgendwas mit “Lille” und “Art Moderne” jedenfalls). Wer in der Gegend ist, möge dorthin fahren. Es lohnt sich, auch wenn die Ruptured-Buchstaben nicht mehr am Fenster kleben.

Gefällt das: Lapin contemporain.

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